Ethische Aspekte zur KI-Anwendung in der Psychotherapie

Auteurs

  • Jan M. Schürmann
  • Jana Sedlakova
  • Manuel Trachsel

DOI :

https://doi.org/10.30820/1664-9583-2026-2-17

Mots-clés :

Künstliche Intelligenz, Psychotherapie, Chatbots, Therapeutische Beziehung, Ethik

Résumé

Künstliche Intelligenz (KI) etabliert sich zunehmend auch in der psychiatrischen und psychotherapeutischen Versorgung. Vor dem Hintergrund globaler Versorgungslücken werden KI-basierte Anwendungen in den Bereichen Screening und Diagnostik, klinische Entscheidungsunterstützung, Intervention, Monitoring sowie administrative und edukative Unterstützung entwickelt oder bereits eingesetzt. Der vorliegende Beitrag analysiert Chancen und Risiken dieser Entwicklung aus medizinethischer Perspektive. Potenziellen Chancen wie verbesserter Versorgung, Entstigmatisierung, klinischer Entscheidungsunterstützung sowie Personalisierungsund Ausbildungspotenzialen stehen potenzielle Risiken gegenüber: unzureichende Wirksamkeitsnachweise, inadäquates Krisenmanagement, Fehleranfälligkeit bis hin zu Halluzinationen, Erosion der therapeutischen Allianz, Datenschutzdefizite, algorithmische Verzerrungen sowie ein regulatorisches Vakuum. Vertieft werden vier ethische Grundsatzfragen diskutiert: 1. der normative Status von KI als Instrument oder Akteur, 2. die Bedingungen von Vertrauen in konversationale KI, 3. die Problematik simulierter Empathie sowie 4. das Risiko unrealistischer Erwartungen und übermässiger Abhängigkeit. Ergänzend werden aktuelle regulatorische Rahmenbedingungen – WHO-Leitprinzipien, EU AI Act, EU Medical Device Regulation und fachgesellschaftliche Empfehlungen – eingeordnet. Auf dieser Grundlage werden handlungsleitende Empfehlungen für die psychotherapeutische Praxis abgeleitet, darunter eine systematische KI-Anamnese, transparente Aufklärung über technologische Limitationen, Wahrung professioneller Urteilskraft und menschlicher Kontrolle, strikte Evaluierung von Datenschutz und Datensicherheit, robuste Krisenprotokolle sowie die Etablierung von KI-Kompetenz. Die authentische und empathische therapeutische Beziehung bleibt das unverzichtbare Agens eines jeden erfolgreichen Therapieprozesses. KI kann zunehmend zu einem ergänzenden Instrument werden, jedoch nicht zu einem Ersatz für die Behandlung durch menschliche Fachpersonen.

Bibliographies de l'auteur

Jan M. Schürmann

Dr. sc. med. Jan Schürmann hat an der Universität Basel in Bio- und Medizinethik promoviert. Seit 2012 arbeitet er als klinischer Ethiker an den Universitätsspitälern in Basel. Zudem ist er als Dozent für Medizinethik an der Uni Basel und an der Berner Fachhochschule tätig. Seit 2024 ist er Mitglied der Zentralen Ethikkommission der Schweizerischen Akademie der Medizinischen Wissenschaften.

Jana Sedlakova

Dr. sc. med. Jana Sedlakova ist Postdoktorandin am Ethox Centre der Universität Oxford. Sie promovierte an der Universität Zürich in Bio- und Medizinethik sowie im Bereich Digitalisierung in der Gesellschaft. Seit 2021 ist sie Vorsitzende der Ethics Gruppe der Digital Society Initiative der Universität Zürich.

Manuel Trachsel

Prof. Dr. med. Dr. phil. Manuel Trachsel ist Titularprofessor für Bio- und Medizinethik an der Medizinischen Fakultät der Universität Basel und Leiter der Abteilung Klinische Ethik am Universitätsspital Basel (USB), an den Universitären Psychiatrischen Kliniken Basel (UPK), am Universitäts-Kinderspital beider Basel (UKBB) und an der Universitären Altersmedizin FELIX PLATTER (UAFP).
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Comment citer

Schürmann, J. M., Sedlakova, J., & Trachsel, M. (2026). Ethische Aspekte zur KI-Anwendung in der Psychotherapie. Science psychothérapeutique, 16(2), 17–27. https://doi.org/10.30820/1664-9583-2026-2-17

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