Ethische Aspekte zur KI-Anwendung in der Psychotherapie
DOI:
https://doi.org/10.30820/1664-9583-2026-2-17Schlagworte:
Künstliche Intelligenz, Psychotherapie, Chatbots, Therapeutische Beziehung, EthikAbstract
Künstliche Intelligenz (KI) etabliert sich zunehmend auch in der psychiatrischen und psychotherapeutischen Versorgung. Vor dem Hintergrund globaler Versorgungslücken werden KI-basierte Anwendungen in den Bereichen Screening und Diagnostik, klinische Entscheidungsunterstützung, Intervention, Monitoring sowie administrative und edukative Unterstützung entwickelt oder bereits eingesetzt. Der vorliegende Beitrag analysiert Chancen und Risiken dieser Entwicklung aus medizinethischer Perspektive. Potenziellen Chancen wie verbesserter Versorgung, Entstigmatisierung, klinischer Entscheidungsunterstützung sowie Personalisierungsund Ausbildungspotenzialen stehen potenzielle Risiken gegenüber: unzureichende Wirksamkeitsnachweise, inadäquates Krisenmanagement, Fehleranfälligkeit bis hin zu Halluzinationen, Erosion der therapeutischen Allianz, Datenschutzdefizite, algorithmische Verzerrungen sowie ein regulatorisches Vakuum. Vertieft werden vier ethische Grundsatzfragen diskutiert: 1. der normative Status von KI als Instrument oder Akteur, 2. die Bedingungen von Vertrauen in konversationale KI, 3. die Problematik simulierter Empathie sowie 4. das Risiko unrealistischer Erwartungen und übermässiger Abhängigkeit. Ergänzend werden aktuelle regulatorische Rahmenbedingungen – WHO-Leitprinzipien, EU AI Act, EU Medical Device Regulation und fachgesellschaftliche Empfehlungen – eingeordnet. Auf dieser Grundlage werden handlungsleitende Empfehlungen für die psychotherapeutische Praxis abgeleitet, darunter eine systematische KI-Anamnese, transparente Aufklärung über technologische Limitationen, Wahrung professioneller Urteilskraft und menschlicher Kontrolle, strikte Evaluierung von Datenschutz und Datensicherheit, robuste Krisenprotokolle sowie die Etablierung von KI-Kompetenz. Die authentische und empathische therapeutische Beziehung bleibt das unverzichtbare Agens eines jeden erfolgreichen Therapieprozesses. KI kann zunehmend zu einem ergänzenden Instrument werden, jedoch nicht zu einem Ersatz für die Behandlung durch menschliche Fachpersonen.
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