Verbesserung der Früherkennung psychischer Belastungen bei Krebs

Und Überweisung an die Psychoonkologie durch ein elektronisches Belastungs-Screening

Auteurs

  • Janine Spitzhüttl
  • Karin Ribi
  • Daniel M. Aebersold
  • Timo Nannen
  • Sabine Kaufmann-Schopfer
  • Jürg Bernhard
  • Alexander Wünsch

DOI :

https://doi.org/10.30820/1664-9583-2026-1-25

Mots-clés :

Machbarkeitsstudie, psychische Belastung bei Krebspatient*innen, Angst, Depression, elektronisches Screening, E-Health, Patientenpräferenzen

Résumé

Psychische Belastungen, Angstund Depressionssymptome sind bei onkologischen Patient*innen häufig, werden jedoch in der klinischen Routine nicht immer systematisch erfasst. Elektronische Belastungsscreenings könnten die Früherkennung erleichtern und eine patientenzentrierte Zuweisung zu psychoonkologischen Unterstützungsangeboten fördern. Ziel dieser Studie war es, die Machbarkeit der Implementierung eines wiederholten elektronischen Belastungsscreenings (eDistressScreen) in der onkologischen Routineversorgung am Inselspital, Universitätsspital Bern zu evaluieren. Die vorliegende Machbarkeitsstudie umfasste erwachsene Patient*innen mit soliden Tumoren oder hämatologischen Erkrankungen zu Beginn einer neuen onkologischen Behandlung. Das elektronische Screening wurde zur Baseline sowie nach 3, 6 und 12 Monaten über die E-Health-Plattform Evita durchgeführt. Erfasst wurden psychische Belastung (Distress-Thermometer), depressive Symptome (PHQ-9) und Angstsymptome (GAD-7). Zusätzlich wurden Präferenzen für eine psychoonkologische Kontaktaufnahme sowie die Benutzerfreundlichkeit mittels System Usability Scale (SUS) erhoben. Von 80 angefragten Patient*innen gaben 76 (95%) ihre Einwilligung zur Studienteilnahme. Das Baseline-Screening wurde von 59 Teilnehmenden (78%) ausgefüllt; die Teilnahmequoten lagen über 12 Monate zwischen 63 % und 70 %. Insgesamt wurden 14 % der Screenings selbstinitiiert durchgeführt. Zu Baseline wiesen 44 % der Teilnehmenden eine erhöhte psychische Belastung auf. Über alle Messzeitpunkte hinweg zeigten sich rückläufige Mittelwerte für psychische Belastung, Angstund Depressionssymptome. 23 % der belasteten Patient*innen äusserte den Wunsch nach psychoonkologischem Kontakt, während auch ein geringer Anteil an Patient*innen mit niedriger Belastung Unterstützungsbedarf angab (12%). Die Benutzerfreundlichkeit des elektronischen Screenings wurde überwiegend als gut bewertet (SUS ≥ 70). Das wiederholte elektronische Belastungsscreening erwies sich als umsetzbar und benutzerfreundlich. Die Diskrepanz zwischen angegebener Belastung und subjektivem Unterstützungswunsch unterstreicht die Notwendigkeit, neben standardisierten Screeningwerten auch individuelle Präferenzen systematisch zu erfassen. Elektronische Screeningverfahren können einen wichtigen Beitrag zu einer patientenzentrierten psychoonkologischen Versorgung leisten, erfordern jedoch eine Kombination mit persönlichem Kontakt im Behandlungsteam sowie die Berücksichtigung individueller Präferenzen und umfassender Informationen zu Unterstützungsangeboten.

Bibliographies de l'auteur

Janine Spitzhüttl

Dr. phil. Janine Spitzhüttl promovierte im Bereich der onkologischen Spätfolgen im Kindes- und Jugendalter an der Universitätsklinik für Kinderheilkunde sowie an der Universität Bern. Aktuell arbeitet sie in der Psychoonkologie an der Universitätsklinik für Medizinische Onkologie in Bern. Parallel dazu befindet sie sich in Weiterbildung zur Gestalttherapeutin (IGW) und zur Psychoonkologin (WPO).

Karin Ribi

Prof. Dr. phil. Karin Ribi ist Vizedirektorin Forschung ad interim an der Careum Hochschule Gesundheit, Teil der Kalaidos Fachhochschule Schweiz. Sie leitet einen Forschungsschwerpunkt zu den Erfahrungen von Patient:innen mit der Gesundheitsversorgung. Im Rahmen der klinischen Krebsforschung forscht sie zudem bei der Foundation for International Breast & Lung Cancer Research (ETOP IBCSG) und dem Swiss Cancer Institute (ehemals SAKK) zu verschiedenen Themen, darunter Lebensqualität, kognitive Folgen einer Krebserkrankung, geriatrische Onkologie und Resilienz.

Daniel M. Aebersold

Prof. Dr. med. Daniel M. Aebersold ist der Lehrstuhlinhaber für Radio-Onkologie und Strahlentherapie an der Universität Bern und Direktor der Universitätsklinik für Radio-Onkologie am Inselspital. Unter seiner Gesamtverantwortung sind verschiedene Forschungsprogramme aktiv in den Bereichen klinischer Interventionsstudien, Medizinphysik/Innovation, Data Science/AI und Radiobiologie. Er ist Chairman des Direktoriums des University Comprehensive Cancer Center Inselspital UCI, das sich für die konsequente Optimierung der Behandlung und Betreuung von Krebspatient:innen einsetzt.

Timo Nannen

Timo Nannen ist Leitender Studienkoordinator an der Universitätsklinik für Radio-Onkologie. Er begleitet die Planung, Koordination und Durchführung klinischer Studien. Seine Arbeitsschwerpunkte liegen in der Studienorganisation und Qualitätssicherung.

Sabine Kaufmann-Schopfer

Sabine Kaufmann-Schopfer arbeitet als fachführende Pflegeexpertin im Medizinbereich Tumor am Inselspital, Bern. Nebst der langjährigen klinischen Tätigkeit als Advanced Practice Nurse im Sarkomzentrum hat sie ein Betreuungsangebot für Patienten:innen mit Sarkome und ihren Angehörigen entlang des ganzen Behandlungspfades (Diagnose bis Nachsorge oder Palliative Care) aufgebaut. Der Fokus lag dabei auf der psychoonkologischen Beratung. Sie engagiert sich im Vorstand der Schweizer Gesellschaft für Psychoonkologie (SGPO).

Jürg Bernhard

Prof. Dr. phil. Jürg Bernhard, Psychoonkologe und Psychotherapeut FSP war Leiter des Psychoonkologischen Dienstes der Universitätsklinik für Medizinische Onkologie am Inselspital in Bern. Er unternahm psychoonkologische Forschung im Rahmen klinischer Studien der International Breast Cancer Study Group und der Schweizerischen Arbeitsgemeinschaft für Klinische Krebsforschung. Weiterhin engagierte er sich in der Arzt-Patient-Kommunikation.

Alexander Wünsch

Prof. Dr. phil. Alexander Wünsch ist Leiter der Psychoonkologie an der Universitätsklinik für Medizinische Onkologie sowie am Universitären Cancer Center Inselspital (UCI) in Bern. Er ist Co-Präsident der Schweizer Gesellschaft für Psychoonkologie (SGPO). Neben seinen klinischen und Lehrtätigkeiten widmet er sich mitunter der Psychoonkologische Versorgungsforschung. Mit der beschrieben Forschung sieht er eine Möglichkeit, die psychoonkologische Mitversorgung von belasteten Krebspatient:innen bedarfsgerecht in den medizinischen Behandlungspfad zu integrieren.
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Comment citer

Spitzhüttl, J., Ribi, K., Aebersold, D. M., Nannen, T., Kaufmann-Schopfer, S., Bernhard, J., & Wünsch, A. (2026). Verbesserung der Früherkennung psychischer Belastungen bei Krebs: Und Überweisung an die Psychoonkologie durch ein elektronisches Belastungs-Screening. Science psychothérapeutique, 16(1), 25–33. https://doi.org/10.30820/1664-9583-2026-1-25

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