Verbesserung der Früherkennung psychischer Belastungen bei Krebs
Und Überweisung an die Psychoonkologie durch ein elektronisches Belastungs-Screening
DOI:
https://doi.org/10.30820/1664-9583-2026-1-25Schlagworte:
Machbarkeitsstudie, psychische Belastung bei Krebspatient*innen, Angst, Depression, elektronisches Screening, E-Health, PatientenpräferenzenAbstract
Psychische Belastungen, Angstund Depressionssymptome sind bei onkologischen Patient*innen häufig, werden jedoch in der klinischen Routine nicht immer systematisch erfasst. Elektronische Belastungsscreenings könnten die Früherkennung erleichtern und eine patientenzentrierte Zuweisung zu psychoonkologischen Unterstützungsangeboten fördern. Ziel dieser Studie war es, die Machbarkeit der Implementierung eines wiederholten elektronischen Belastungsscreenings (eDistressScreen) in der onkologischen Routineversorgung am Inselspital, Universitätsspital Bern zu evaluieren. Die vorliegende Machbarkeitsstudie umfasste erwachsene Patient*innen mit soliden Tumoren oder hämatologischen Erkrankungen zu Beginn einer neuen onkologischen Behandlung. Das elektronische Screening wurde zur Baseline sowie nach 3, 6 und 12 Monaten über die E-Health-Plattform Evita durchgeführt. Erfasst wurden psychische Belastung (Distress-Thermometer), depressive Symptome (PHQ-9) und Angstsymptome (GAD-7). Zusätzlich wurden Präferenzen für eine psychoonkologische Kontaktaufnahme sowie die Benutzerfreundlichkeit mittels System Usability Scale (SUS) erhoben. Von 80 angefragten Patient*innen gaben 76 (95%) ihre Einwilligung zur Studienteilnahme. Das Baseline-Screening wurde von 59 Teilnehmenden (78%) ausgefüllt; die Teilnahmequoten lagen über 12 Monate zwischen 63 % und 70 %. Insgesamt wurden 14 % der Screenings selbstinitiiert durchgeführt. Zu Baseline wiesen 44 % der Teilnehmenden eine erhöhte psychische Belastung auf. Über alle Messzeitpunkte hinweg zeigten sich rückläufige Mittelwerte für psychische Belastung, Angstund Depressionssymptome. 23 % der belasteten Patient*innen äusserte den Wunsch nach psychoonkologischem Kontakt, während auch ein geringer Anteil an Patient*innen mit niedriger Belastung Unterstützungsbedarf angab (12%). Die Benutzerfreundlichkeit des elektronischen Screenings wurde überwiegend als gut bewertet (SUS ≥ 70). Das wiederholte elektronische Belastungsscreening erwies sich als umsetzbar und benutzerfreundlich. Die Diskrepanz zwischen angegebener Belastung und subjektivem Unterstützungswunsch unterstreicht die Notwendigkeit, neben standardisierten Screeningwerten auch individuelle Präferenzen systematisch zu erfassen. Elektronische Screeningverfahren können einen wichtigen Beitrag zu einer patientenzentrierten psychoonkologischen Versorgung leisten, erfordern jedoch eine Kombination mit persönlichem Kontakt im Behandlungsteam sowie die Berücksichtigung individueller Präferenzen und umfassender Informationen zu Unterstützungsangeboten.
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