Plädoyer für ein ergänzendes und fruchtbares Nebeneinander der Wissenschaftlichkeit von Psychotherapie und Psychologie
Eine Schweizer Sicht
DOI:
https://doi.org/10.30820/1664-9583-2025-1-81Schlagworte:
Psychotherapiewissenschaft, existenzielle Themen, Wissenschaftlichkeit, BerufspolitikAbstract
Im Übergang von den 1980ern zu den 1990ern sprach die Psychologie den psychodynamischen und humanistischen Psychotherapieverfahren die wissenschaftliche Legitimation ab. Damals fing die Psychologie vermehrt an, sich an der Naturwissenschaft zu orientieren. Dieser Wandel zeigte sich auch in der Berufspolitik, als es darum ging, Psychotherapie von TherapeutInnen, die nicht Medizin studiert hatten, durch die Krankenkassen zu finanzieren. Die historisch gewachsenen Schulen, die die Psychotherapie begründet und bis anhin einen Grossteil der TherapeutInnen ausgebildet hatten, sahen sich gezwungen, die Psychotherapie durch eine eigenständige Wissenschaftlichkeit zu begründen. Diese berücksichtigt, neben den naturwissenschaftlichen Tatsachen des Menschseins, wie z.B Entwicklungspsychologie, auch existenzielle Fragen, wie Sinnkonstrukte, offene und unverfügbare Lebensthemen, die Untrennbarkeit von Subjekt und Objekt in der Therapiesituation, die Wichtigkeit der persönlichen Faktoren der Therapierenden, deren Reife, Subjektivität usw. Die akademische Psychologie kann man sich in einer Linie mit der psychodynamischen und humanistischen Psychotherapie vorstellen, die einen naturund einen geisteswissenschaftlichen Pol hat. Die Schweizer Sicht leitet sich aus der Kompromissfindungskultur ab, die sich in der Schweizer Charta für Psychotherapie manifestiert hat und deren Kernthese lautet, dass die Psychotherapie eine bio-psycho-soziale und sinnorientierte Praxis des Menschseins beinhaltet. Das wäre ein inkludierendes Verständnis, das auch vonseiten der Psychologie begrüsst werden könnte.
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