High resolution psychotherapy research durch KI-gestützte Prozessanalyse

Ein Paradigmenwechsel in der Psychotherapieforschung

Autor/innen

  • Martin Steppan
  • Marc Birkhölzer

DOI:

https://doi.org/10.30820/1664-9583-2025-1-29

Schlagworte:

Künstliche Intelligenz, Erkenntnistheorie, Emotionserkennung, affektive Datenverarbeitung, klinische Überwachung, Psychotherapie, Psychiatrie, neue Methoden

Abstract

Die Psychotherapieforschung erlebt durch den Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI) einen grundlegenden Paradigmenwechsel. Während Paul Ekmans Arbeiten zur Emotionserkennung auf der Beobachtung und manuellen Kodierung von Mimik basierten, ermöglicht KI heute eine automatisierte, multimodale Analyse von Sprache, Mimik, Gestik und emotionaler Dynamik. Diese Technologien erlauben erstmals eine beinahe vollständige Erfassung, Dokumentation und Analyse gesamter Therapiesitzungen in Echtzeit. Der Beitrag untersucht den Übergang von Ekmans methodischem Ansatz zur KI-gestützten «Totalerhebung» und analysiert die wissenschaftlichen sowie klinischen Implikationen. Besonderes Augenmerk wird auf die Chancen gelegt, die sich aus der hochauflösenden Echtzeitanalyse therapeutischer Prozesse ergeben, sowie auf die Risiken im Hinblick auf Datenschutz und ethische Standards. Abschliessend wird diskutiert, wie durch Anonymisierung und strenge Sicherheitsmassnahmen ein verantwortungsvoller Umgang mit sensiblen Therapiedaten gewährleistet werden kann, um die Potenziale dieser Technologien voll auszuschöpfen. Künstliche Intelligenz, Erkenntnistheorie, Emotionserkennung, affektive Datenverarbeitung, klinische Überwachung, Psychotherapie, Psychiatrie, neue Methoden

Autor/innen-Biografien

Martin Steppan

Martin Steppan hat Psychologie (mit Pharmazie im Nebenfach) studiert. Er promovierte an der Universität Innsbruck zu Suchterkrankungen sowie an der Universität St. Andrews zur Verhaltensgenetik, insb. zum Einfluss der Pubertät auf psychische Störungen. Er war langjährig am Münchner IFT Institut für Therapieforschung sowie an den Universitären Psychiatrischen Kliniken Basel tätig, mit einem Schwerpunkt auf Persönlichkeitsstörungen. Seit 2021 ist er Senior Research and Teaching Assistant an der Fakultät für Psychologie der Universität Basel, wo er Psycholog:innen in Forschungsmethodik unterrichtet. Sein besonderes Interesse gilt methodischen Innovationen, insb. in der psychologischen Diagnostik und Psychotherapieforschung. Dabei arbeitet er an neuen Ansätzen zur KI-gestützten Emotionsanalyse sowie an innovativen psychometrischen Verfahren.

Marc Birkhölzer

Marc Birkhölzer hat in Gießen Medizin studiert und lebt seit 2013 in der Schweiz. Seit 2010 forscht er zum Thema Jugendliche mit Persönlichkeitsstörungen, hier insb. zum Thema Früherkennung und Frühintervention. Er hat seine Psychotherapieweiterbildung in systemisch-analytischer Kinder-, Jugend- und Familientherapie absolviert und ist Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie. Er ist seit Oktober 2021 Oberarzt der Jugendforensischen Ambulanz (JAM) der Klinik für Forensik, UPK Basel, Forschungsgruppenleiter der EARLY-Studie und seit August 2023 Mitglied der Institutsleitung des Instituts für Kinder-, Jugend- und Familientherapie (KIF) Luzern. Sein besonderes Interesse gilt der Persönlichkeitsentwicklung, der Adoleszenz, dissozialem Verhalten und der Erforschung des Potenzials psychoaktiver Substanzen in der Psychotherapie.
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Zitationsvorschlag

Steppan, M., & Birkhölzer, M. (2025). High resolution psychotherapy research durch KI-gestützte Prozessanalyse: Ein Paradigmenwechsel in der Psychotherapieforschung. Psychotherapie-Wissenschaft, 15(1), 29–38. https://doi.org/10.30820/1664-9583-2025-1-29