Hoffnung im Dialog
Psychoonkologische Präzision am Lebensende zwischen Würde, Wahrheit und Wahlfreiheit
DOI:
https://doi.org/10.30820/1664-9583-2026-1-7Schlagworte:
Psychoonkologie, letzte Lebensphase, Demoralisierung, Fear of Progression (FoP), Total Pain, Würde, Meaning-Centered Psychotherapy, CALM, Dignity TherapyAbstract
Die letzte Lebensphase bei fortgeschrittener Krebserkrankung ist selten nur eine medizinische Endstrecke. Sie ist eine Verdichtung von Angst, Schmerz, Beziehungsthemen und existenziellen Fragen nach Sinn, Würde und Verbundenheit. Psychoonkologische Begleitung kann hier wirksam sein – oft nicht durch lange Programme, sondern durch präzise, zeitlich passende Interventionen. Leitend ist dabei ein Perspektivwechsel: weg von einer Orientierung an Überlebenszeit hin zur Frage, wie Leben – auch unter Bedingungen begrenzter Zeit – gestaltbar bleibt. Der Beitrag entwickelt auf Grundlage einer erfahrungsbasierten, integrativen und praxisnahen Literaturund Konzeptaufarbeitung ein orientierendes Vorgehensmodell für die psychoonkologische Begleitung am Lebensende, das sich nicht ausschliesslich an psychoonkologisch Tätige richtet. Zentrale Annahme ist, dass sich psychische Belastung in dieser Phase typischerweise als Demoralisierung, Angst vor Progression oder Tod, depressive Symptome sowie als «Total Pain» zeigt und – unabhängig vom Versorgungssetting – unterschiedliche Prioritäten für Indikation, Kommunikation und Intervention erfordert. Drei narrative Fallvignetten aus der Meaning-Centered Psychotherapy (MCP), der Managing Cancer and Living Meaningfully Therapy (CALM) und der Dignity Therapy verdeutlichen die klinische Logik dieses Vorgehens: Präzision statt Länge, Hoffnung als dialogischer Prozess, Würde als nicht-idealisierende und nicht normativ überhöhte Haltung sowie eine Arbeitsweise, die Angehörige und die Belastung des Behandlungsteams systematisch berücksichtigt. Abschliessend werden praxisnahe Hinweise zum klinischen Bezugsrahmen psychoonkologischer Arbeit am Lebensende dargestellt.
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