Hoffnung im Dialog

Psychoonkologische Präzision am Lebensende zwischen Würde, Wahrheit und Wahlfreiheit

Autor/innen

  • Jan Schulze

DOI:

https://doi.org/10.30820/1664-9583-2026-1-7

Schlagworte:

Psychoonkologie, letzte Lebensphase, Demoralisierung, Fear of Progression (FoP), Total Pain, Würde, Meaning-Centered Psychotherapy, CALM, Dignity Therapy

Abstract

Die letzte Lebensphase bei fortgeschrittener Krebserkrankung ist selten nur eine medizinische Endstrecke. Sie ist eine Verdichtung von Angst, Schmerz, Beziehungsthemen und existenziellen Fragen nach Sinn, Würde und Verbundenheit. Psychoonkologische Begleitung kann hier wirksam sein – oft nicht durch lange Programme, sondern durch präzise, zeitlich passende Interventionen. Leitend ist dabei ein Perspektivwechsel: weg von einer Orientierung an Überlebenszeit hin zur Frage, wie Leben – auch unter Bedingungen begrenzter Zeit – gestaltbar bleibt. Der Beitrag entwickelt auf Grundlage einer erfahrungsbasierten, integrativen und praxisnahen Literaturund Konzeptaufarbeitung ein orientierendes Vorgehensmodell für die psychoonkologische Begleitung am Lebensende, das sich nicht ausschliesslich an psychoonkologisch Tätige richtet. Zentrale Annahme ist, dass sich psychische Belastung in dieser Phase typischerweise als Demoralisierung, Angst vor Progression oder Tod, depressive Symptome sowie als «Total Pain» zeigt und – unabhängig vom Versorgungssetting – unterschiedliche Prioritäten für Indikation, Kommunikation und Intervention erfordert. Drei narrative Fallvignetten aus der Meaning-Centered Psychotherapy (MCP), der Managing Cancer and Living Meaningfully Therapy (CALM) und der Dignity Therapy verdeutlichen die klinische Logik dieses Vorgehens: Präzision statt Länge, Hoffnung als dialogischer Prozess, Würde als nicht-idealisierende und nicht normativ überhöhte Haltung sowie eine Arbeitsweise, die Angehörige und die Belastung des Behandlungsteams systematisch berücksichtigt. Abschliessend werden praxisnahe Hinweise zum klinischen Bezugsrahmen psychoonkologischer Arbeit am Lebensende dargestellt.

Autor/innen-Biografie

Jan Schulze

Dr. med. Jan Ben Schulze ist Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie und seit 2004 in der Schweiz tätig. Seit 2019 arbeitet er als Oberarzt an der Klinik für Konsiliarpsychiatrie und Psychosomatik des Universitätsspitals Zürich und ist Co-Leiter der Psycho-Onkologie am Comprehensive Cancer Center Zürich. Seine klinischen Schwerpunkte liegen in der psychoonkologischen Versorgung von Patientinnen mit Krebserkrankungen, insbesondere in der Erkennung und Behandlung psychischer Belastungen, psychiatrischer Komorbidität sowie in geschlechtersensibler und diversitätsaffirmativer psychiatrisch-psychotherapeutischer Begleitung, einschliesslich transidenter Patientinnen.
31327

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Zitationsvorschlag

Schulze, J. (2026). Hoffnung im Dialog: Psychoonkologische Präzision am Lebensende zwischen Würde, Wahrheit und Wahlfreiheit. Psychotherapie-Wissenschaft, 16(1), 7–13. https://doi.org/10.30820/1664-9583-2026-1-7

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