Autismus-Spektrum: Neueste Entwicklungen fordern die Erwachsenenpsychiatrie heraus

Autor/innen

  • Helene Haker
  • Evelyn Unterburger
  • Matthias Huber
  • Maya Schneebeli

DOI:

https://doi.org/10.30820/1664-9583-2026-1-35

Schlagworte:

Autismus-Spektrum-Störung, Asperger-Syndrom, Versorgung, Diagnostik, Therapie, Differenzialdiagnose, Entwicklungsstörung, Persönlichkeitsstörung, Neurodiversität

Abstract

Autismus ist nach früherem Nischendasein als virulentes Thema in der Erwachsenenpsychiatrie angekommen und führt heute, nach Aufmerksamkeitsstörungen (ADHS), die Liste gängiger Selbstdiagnosen an. Die neuesten Entwicklungen führen zu einer besorgniserregenden Überlastung des Versorgungssystems mit monatelangen Wartelisten für Abklärungsund Behandlungsplätze. Zur besonderen Lage tragen diverse Gründe bei: Der konzeptuelle Wandel; Besonderheiten einer Entwicklungsstörung im Kontext eines Klassifikationssystems, das Diagnosen primär querschnittlich und unabhängig einer angenommenen Ätiologie betrachtet; problematische Annahmen unter Fachleuten wie Laien; gesellschaftliche Entwicklungen. Auch wenn wir den Blick spezifisch auf Autismus richten, so lassen sich viele der folgenden Beobachtungen und Überlegungen auch auf das Thema ADHS übertragen. Mit Fokus auf die Situation in der Erwachsenenpsychiatrie der Deutschschweiz zeigt dieser Artikel Zusammenhänge und problematische Folgen auf und offeriert Anregungen zur Lösung der aktuellen Herausforderungen.

Autor/innen-Biografien

Helene Haker

PD Dr. med. Helene Haker hat Studium und Facharztausbildung in Zürich absolviert und sich an der Universität Zürich mit einer Arbeit zur Empathiefähigkeit bei psychischen Störungsbildern habilitiert. 2009 gründete sie die erste Autismus-Sprechstunde für Erwachsene an der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich. 2012–2018 Forschung im Bereich Computational Psychiatry und medizinische Leitung der Translational Neuromodeling Unit von ETH und UZH Zürich. Heute arbeitet sie in eigener Praxis und als Dozentin an UZH und ETH Zürich.

Evelyn Unterburger

Evelyn Unterburger, M. Sc., ist Fachpsychologin für Psychotherapie und für Neuropsychologie. Sie war dipl. Pflegefachfrau, studierte Psychologie und Neurowissenschaften an der UZH. Seit 2012 beschäftigt sie sich intensiv mit Autismus und ADHS und macht entsprechende Abklärungen. Mehrheitlich arbeitet sie heute psychotherapeutisch in eigener Praxis. Nebenberuflich ist sie in der Neuropsychologie am USZ sowie als Dozentin tätig.

Matthias Huber

Matthias Huber, lic.phil., studierte Pädagogik und Psychologie an der Uni Zürich. 2005 Mitgestaltung beim Aufbau der Autismussprechstunde der Uniklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie der UPD Bern und Tätigkeit in der Diagnostik, Therapie von Kindern, Jugendlichen, Erwachsenen; Beratung von Eltern und Fachleuten, verschiedenste Referententätigkeiten. Seit 2023: Autismusberatungsstelle Urdorf, Stiftung Kind & Autismus.

Maya Schneebeli

Dr. sc. nat. Maya Schneebeli wuchs mit einer autistischen Schwester auf und promovierte im Bereich Neurowissenschaften zu mechanistischen Modellen autistischer Informationsverarbeitung an der Universität und ETH Zürich. Aktuell arbeitet sie als Psychologin und klinische Wissenschaftlerin an der Autismusfachstelle der Kinder- und Jugendpsychiatrie Zürich und leitet universitäre Forschungsprojekte zu Psychotherapien und deren Einflüsse auf das Gehirn bei autistischen Menschen.
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Zitationsvorschlag

Haker, H., Unterburger, E., Huber, M., & Schneebeli, M. (2026). Autismus-Spektrum: Neueste Entwicklungen fordern die Erwachsenenpsychiatrie heraus. Psychotherapie-Wissenschaft, 16(1), 35–43. https://doi.org/10.30820/1664-9583-2026-1-35

Ausgabe

Rubrik

Originalarbeit