Die Fallgeschichte als Novelle: Plädoyer für ein unzeitgemäßes Konzept

Autor/innen

  • Bernd Nitzschke

Abstract

Das Material, das einer Fallgeschichte zugrunde liegt, ist das Resultat eines Interaktionsprozesses zwischen dem Therapeuten und dem Patienten. Insofern ist bereits dieses Material durch „subjektive“ Bedingungen strukturiert. Der Einwand, die Fallgeschichte, die dieses Material nachträglich in einer übergreifenden Sinngeschichte zusammenfasst, widerspreche dem naturwissenschaftlichen wie dem Objektivitätsideal der empirischen Sozialforschung, ist durchaus berechtigt, berücksichtigt jedoch nicht, dass diese Konstruktion der narrativen Arbeitsweise unseres Gedächtnisses entspricht, das eine schier endlose Zahl von Ereignissen (Erlebnissen) in Geschichten (die einen Anfang und ein Ende haben) strukturiert. Aus diesem Grund erfolgt ein Plädoyer zugunsten der Fallgeschichte, die über Entstehung, Verlauf und Behandlung einer psychischen Erkrankung exemplarisch Auskunft gibt.

Schlüsselwörter:
Fallgeschichte; Interaktionsgeschichte; Konstruktion; Rekonstruktion; Nachträglichkeit; Authentizität; Erzählen

Autor/innen-Biografie

Bernd Nitzschke

Dr. phil. Bernd Nitzschke, Dipl.-Psych., geboren 1944, Studium der Psychologie, Philosophie, Soziologie und Politikwissenschaft, Psychoanalytiker, Lehranalytiker, Lehrauftrag in Hagen und Innsbruck, Mitbegründer von Luzifer-Amor, Wissenschaftlicher Beirat bei PsychoanalyseTexte zur Sozialforschung, Wissenschaftspublizist.

Korrespondenz: Dr. Bernd Nitzschke, Stresemannstraße 28, 40210 Düsseldorf, Deutschland.

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Veröffentlicht

01.07.2005

Zitationsvorschlag

Nitzschke, B. (2005). Die Fallgeschichte als Novelle: Plädoyer für ein unzeitgemäßes Konzept. Psychotherapie-Wissenschaft, (3), 96–99. Abgerufen von https://psychotherapie-wissenschaft.info/article/view/355