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Berichte

Peter Schulthess, Präsident

Bericht aus der Schweizer Charta für Psychotherapie

Jahresbericht 2010 des Präsidenten

Der Vorstand traf sich dieses Jahr zu 5 Sitzungen um die laufenden Geschäfte zu besprechen. 2 weitere Sitzungen fanden gemeinsam mit den LeiterInnen der Kommissionen statt. Mit dem Vorstand des ASPV trafen wir uns 5 Mal im Rahmen der Task Force PsyG. Viele Arbeiten und Absprachen konnten auch über e-mail oder Telefonate abgewickelt werden.

Psychologieberufegesetz

Ein wichtiges Geschäft im Berichtjahr war zweifellos die Beratung des PsyG im Parlament. Sie begann mit einer Anhörung der interessierten Kreise in der WBK (Kommission Wissenschaft, Bildung und Kultur des Ständerates) im Februar 2010. Die Charta konnte ein Paper in die offiziellen Unterlagen der Kommission einfliessen lassen. Der Ständerat beriet das Gesetz im Juni. Die Minderheitsanträge von Ratsmitgliedern, welche eine Änderung des Gesetzes wollten, um auch künftig Personen mit anderen sozialwissenschaftlichen Hochschulabschlüssen als der Psychologie den Zugang zur Weiterbildung in Psychotherapie zu ermöglichen, hatten keine Chance. Im November begannen die Beratungen im Nationalrat mit einer Anhörung der Charta und der FSP in der WBK des Nationalrates. Im Januar 2011 beriet die Kommission die Vorlage. Die von der Charta angeregten Minderheitsanträge fanden auch hier keine Mehrheit. Die Kommission beantragt dem Nationalrat, das Gesetz so wie es der Ständerat beraten hatte, zu genehmigen. Dieser wird das Gesetz am 9. März beraten.

Im Hinblick auf diese Gesetzgebungsarbeiten haben wir in Abstimmung mit dem ASPV gar manchen Kontakt zu ParlamentarierInnen verschiedener Parteien gepflegt. Unser Hauptanliegen, das Gesetz so abzuändern, dass es im Hinblick auf die Weiterbildung in Psychotherapie auch eine Äquivalenzklausel zum erforderlichen Psychologiestudium gäbe, wie dies in den meisten Kantonen üblich ist, wurde leider in beiden Räten nicht aufgenommen. Unser Anliegen wurde zwar als verständlich, aber letztlich systemfremd zu akademischen Bildungsgängen beurteilt. Die einfache Analogie zum Medizinstudium mit postgradualer Vertiefung in Psychiatrie/Psychotherapie war für das Parlament einprägsamer. So soll künftig für die nichtärztliche Psychologie bloss ein Psychologiestudium zur Weiterbildung in Psychotherapie führen. Die von uns betonte Notwendigkeit des Zugangs auch von anderen human- und sozialwissenschaftlichen Studien zur Psychotherapie wurde als durch die Bolognareform gewährleistet erachtet. Entsprechende StudienabsolventInnen könnten ein verkürztes Zweitstudium in Psychologie machen, bzw. vom Bachelor anderer sozialwissenschaftlicher Studien in einen Psychologie-Masterstudiengang wechseln, wobei sie allerdings einen Teil des Psychologiebachelors zusätzlich nachholen müssten. Insgesamt sei dies für QuereinsteigerInnen zumutbar, so die Meinung der Parlamentsmehrheit (man kann davon ausgehen, dass auch das Plenum des Nationalrates mehrheitlich so entscheiden wird). Im Hinblick auf die weiteren Beratungen, bleibt zu hoffen, dass wenigstens unsere Anliegen nach einer Verankerung von Eckwerten der Psychotherapie-Weiterbildung sowie der Übergangsregelungen für Personen, die bis zum Inkrafttreten des Gesetzes (voraussichtlich 1.1.2013) ihre Weiterbildung noch nicht abgeschlossen haben, aufgenommen werden.

Weitere Vorstandsgeschäfte

Ein wichtiges Thema war die Gründung einer Filiale der „Sigmund Freud PrivatUniversität Wien“ in der Schweiz in Kooperation mit der Charta. Leider hat sich dies verzögert. Wir wissen bis heute noch nicht, wann die SFU dieses aus internen Gründen zurückgestellte Projekt realisieren wird.

Ebenso war beabsichtigt, in Kooperation mit der Donauuniversität Krems (DUK) ein postgraduales Masterstudium als Ergänzung zu den Weiterbildungsgängen der Chartainstitutionen zu konzipieren. Dieses Projekt wurde eingestellt, da es aufwändiger geworden wäre, als es vorerst schien und nur zu Bedingungen möglich geworden wäre, die einen zu grossen Eingriff in das bisherige Ausbildungsmodell der Charta bedeutet hätte. Der Vorstand kam zur Ansicht, dass solche Veränderungen eher dann vorzunehmen wären, wenn die Akkreditierungsprozesse unter dem neuen PsyG diese erforderlich machen würden. Dannzumal könnte wieder darüber nachgedacht werden, diese so zu machen, dass sie auch zu einem universitären Weiterbildungstitel führten.

An der MV vom September wurden die Chartamitglieder direkt vom BAG (Frau Gertsch und Frau Stritt) über das vorgesehene Akkreditierungsverfahren unterrichtet. Manche Fragen dazu sind noch offen, sollen aber 2011 geklärt werden. Ziel des BAG ist es, dass die ersten Akkreditierungsanträge zu Beginn 2013 bereits eingereicht werden können. Die Charta ist mit ihren Vorbereitungsarbeiten zu Thema Qualitätssicherung gut gerüstet für diesen Prozess und wird kompetent mitreden können, wenn es um die Ausgestaltung des Verfahrens geht.

2010 fanden 4 Kolloquien der Wissenschaftskommission bzw. der Kommission für Qualitätssicherung statt. Verschiedene rechtliche Beratungen zur Praxis der Erteilung von Praxisbewilligungen aufgrund des Binnenmarktgesetzes wurden von der Charta begleitet, mit erfolgreichem Ausgang.

Per Ende Jahr wurde das Erscheinen der Zeitschrift Psychotherapie Forum eingestellt. Die Zusammenarbeit mit dem Springer Verlag war zu teuer und behindernd in der Absicht, die wissenschaftliche Zeitschrift künftig als Open Access Journal zu führen. Leider wollte uns der Springer Verlag den Namen der Zeitschrift weder überlassen noch verkaufen. Einzig in Lizenz hätten wir den Namen weiterführen können, zu aus unserer Sicht unzumutbaren Bedingungen. So trägt unsere gemeinsam mit dem ÖBVP und dem DVP herausgegebene Zeitschrift neu den Namen „Psychotherapie-Wissenschaft“. Sie ist auf dem Internet abrufbar unter www.psychotherapie-wissenschaft.info. Die erste Nummer wird allen bisherigen BezügerInnen als Print-Version zugestellt werden, später nur noch jenen, die dies ausdrücklich wünschen. Die drei Vereine haben einen Herausgeberverein mit Sitz in der Schweiz gegründet: Verein Psychotherapie-Wissenschaft. Präsidiert wird er von Peter Schulthess; im Vorstand wirken ausserdem mit: Eva Mückstein (Präsidentin ÖBVP), Karin Reuter Präsidentin (DVP), Oskar Frischenschlager (Verantwortlicher für die Redaktion), Mario Schlegel (Verantwortlicher für das Portal). Abgeschlossen werden konnten zum Jahresende auch die Arbeiten an einem Buch, welches die in der Charta vertretenen Psychotherapieverfahren präsentiert. Es ist als gedrucktes Exemplar erhältlich und auf der Website der Charta als pdf publiziert, zum Herunterladen: Schlegel M, Meier I, Schulthess P (Hrsg.): Psychotherapien.

Die Naturalistische Praxisstudie ambulante Psychotherapie Schweiz läuft erfreulich, wenn auch mit geringeren Teilnahmezahlen als ursprünglich geplant. Ende 2010 ist die Zeit für die Aufnahme neuer Therapien abgelaufen. 2010 gab es zwei Veröffentlichungen dazu (im Psychotherapie Forum sowie im International Journal for Psychotherapy [engl. und deutsch]). Präsentationen wurden im Rahmen des IFP-Kongresses gemacht, Margit Koemeda und Peter Schulthess präsentierten ausserdem in Wien bzw. Skopjie. Für nächstes Jahr sind weitere Präsentationen geplant (u.a. SPR Kongress in Bern). Die Projektleitungsgruppe plant derzeit auch die Abschlusspublikationen, einerseits durch Beiträge in renommierten Zeitschriften, andererseits als Buch. Das Projekt soll per Ende 2012 abgeschlossen werden. An zwei Gesetzgebungs-Vernehmlassungen haben wir uns beteiligt: Revision der Psychotherapieregelung im Kanton SG und Rahmenkonzept zur Prävention Psychischer Krankheiten im Kanton ZH.

Ausblick auf 2011

Natürlich sind wir gespannt auf die Schlussabstimmung zum PsyG im Parlament, die ist auf die Sommersession hin zu erwarten ist. Auch wenn wir nicht durchgekommen sind mit unserem Hauptanliegen: Hätten wir es nicht versucht, wir würden es bereuen.

Mit dem BAG werden wir im Kontakt bleiben bezüglich Akkreditierungsverfahren. Weiterhin sind wir daran interessiert, ein PTW-Studium in der Schweiz zu etablieren und führen dazu Gespräche über mögliche Kooperationen. Wir möchten aber auch versuchen, Einfluss zu nehmen auf die Inhalte der auf die Psychotherapie-Weiterbildung vorbereitenden Psychologiestudiengänge, welche an den Schweizer Hochschulen angeboten werden. Wir sind auch gespannt, wie die neu gestaltete Zeitschrift Psychotherapie Wissenschaft bei der Leserschaft ankommen wird. All die Arbeit in der Charta wäre nicht zu leisten ohne das Engagement vieler Personen. Ich danke allen, welche in den verschiedenen Kommissionen und der PAP-S einen grossen Einsatz für die weitere Entwicklung der Charta und der Psychotherapie leisten.

 

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