EAP-Tagung: «Initiating Practice Related Research»

Wien, 23. Februar 2020

Peter Schulthess

https://doi.org/10.30820/2504-5119-2020-1-14

Im Anschluss an die EAP Meetings in Wien veranstaltete das Science and Research Committee (SARC) eine Tagung zum Thema «Initiating Practice Related Research». Wie der Titel verrät, ging es darum, neue Forschungsprojekte in Praxis-gerechtem Design zu initiieren. Die Veranstalter luden zwei ausgewiesene Experten als Referenten ein.

Mattias Desmet ist Professor an der Ghent University in Belgien und setzt sich (auch in der Society for Psychotherapy Reserach – SPR) für ein alternatives Forschungsparadigma ein. Er kritisiert die Vorherrschaft der RCTs, sowie die mangelnde Beachtung von Einzelfallstudien und hat ein Archiv für Einzelfallstudien initiiert, in dem alle Autor*innen ihre publizierten Studien eingeben können. Bisher sind 3.100 Studien darin enthalten. Je mehr es sind, umso besser können sie eine Basis für statistische Auswertungen geben im Sinne des Single Case Experimental Design (SCED).

«Im Anschluss an die beiden Referate wurde erst in Kleingruppen diskutiert und Fragen an die Referenten formuliert. In einem zweiten Teil des Austausches fand eine angeregte Diskussion mit den beiden Referenten statt, moderiert durch den Vorsitzenden des SARC. Die Tagung war sehr inspirierend und ermutigte die anwesenden 60 Teilnehmer*innen aus unterschiedlichen Ländern und Therapierichtungen, sich an praxisbezogener Forschung zu beteiligen.

Plenum der Teilnehmenden

Es gab vier Outputs zu dieser Tagung:

  • Es soll von einer Projektgruppe, in der beide Referenten, Mitglieder des SARC sowie einige Tagungsteilnehmer*innen vertreten sind, ein Papier ausgearbeitet werden, das ein Grundverständnis praxisbezogener Psychotherapieforschung formuliert, allen Teilnehmenden zur Vernehmlassung geschickt und danach bereinigt dem General Board der EAP zur Verabschiedung als Positionspapier vorgelegt wird.
  • Damit im Single Case Archiv auch Einzelfall-Darstellungen, die bisher nicht in Journalen publiziert wurden, erfasst werden können, braucht es einen gemeinsamen Standard bzgl. Systematik und Qualität, wie sie abzufassen sind, der aber doch genügend Spielraum für schulenspezifische Varianten zulässt. Eine Arbeitsgruppe wird gebildet, die solche Kriterien ausarbeitet. Diese soll wiederum mit allen Tagungsteilnehmenden rückbesprochen werden. Ziel ist es, Einzelfall-Darstellungen mit höherer Wahrscheinlichkeit auch in Journalen publizieren zu können und stichhaltige Kriterien zu haben, um auch nicht publizierte Studien ins Archiv aufzunehmen. Das würde dann wohl die Einrichtung eines peer review Systems für das Archiv erfordern, das dasjenige Journale ersetzt.
  • Die EAP wird mit Günter Schiepek einen dreiteiligen Kurs anbieten zur Einarbeitung in die Handhabung seiner App, sodass alle praktizierenden Psychotherapeut*innen, die das anwenden wollen, sich mit den eigenen Therapieverläufen an das bestehende Auswertungsnetz anschliessen können.
  • Gemeinsam soll erarbeitet werden, wie mit diesen Einzelfallstudien im Sinne des SCED ein richtungs- und nationenübergreifendes europäisches Forschungsprojekt realisiert werden kann. Beide Referenten sind dazu bereit, mitzuwirken und ihre universitären Möglichkeiten auch in der Geldbeschaffung zur Verfügung zu stellen.

Prof. Mattias Desmet bei seiner Präsentation

Die Veranstalter erhielten hinterher sowohl von den Teilnehmenden als auch von den Referenten positive Rückmeldungen zu dieser ergebnisreichen Tagung und möchten bald die nächsten Schritte umsetzen.

Mitmachen am Kurs von Prof. Schiepek (und natürlich auch am hoffentlich aus allem resultierenden neuen gemeinsamen Forschungsprojekt) können auch Psychotherapeut*innen aus der Schweiz, die nicht an der Tagung teilnahmen, sich aber angesprochen fühlen. Prof. Schiepeks laufendes Forschungsprojekt ist schulenübergreifend.

Prof. Günter Schiepek bei seiner Präsentation

Peter Schulthess ist Vorstandsmitglied der ASP und vertritt den Verband gemeinsam mit Gabri­ela Rüttimann in der EAP. Er ist Vorsitzender des SARC in der EAP.

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