Die Präsidentin berichtet

Gabriela Rüttimann

https://doi.org/10.30820/2504-5119-2020-1-4

Mitgliederversammlung vom 26. März 2020 ausgefallen

Bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe des à jour! hatte das Coronavirus die Schweiz fest im Griff. Das veranlasste uns dazu, die Mitgliederversammlung auf ein noch festzulegendes Datum zu verschieben. Auch die Tagung vom 28. März 2020 «Trends Richtung Akademisierung der Psychotherapie-Weiterbildung» musste leider abgesagt werden. Wir werden versuchen, sie im Herbst dieses Jahres nachzuholen. Wir halten Sie auf dem Laufenden.

Überblick zum Stand des Anordnungsmodells

Die ASP steckt nach wie vor mitten in den Vorbereitungsarbeiten für die hoffentlich anstehende Neuregelung der Psychotherapie. Es gibt Gespräche zwischen den Verbänden, der Ärzteschaft und dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) mit dem Versuch, einen Konsens bei der Ausgestaltung der zukünftigen Berufsausübung herzustellen, der dem Bundesrat vorgelegt werden könnte. Dabei ist erfreulich, dass auch die Gespräche mit den Psychiatrieverbänden wieder in Gang gekommen sind. Es macht Sinn, beim Bundesrat bereits mit unseren gemeinsamen Forderungen vorstellig zu werden, um nicht das Risiko einzugehen, dass ohne Vorschlag ein Entscheid einfach «von oben» gefällt wird.

Inzwischen hat die Tarifgruppe bereits Gespräche mit den Krankenversicherern begonnen in Bezug auf den Tarif, der für Psychotherapiebehandlungen ausgehandelt werden muss. Dass dies noch vor dem Bundesratsentscheid geschieht, ist deshalb sinnvoll, weil die Einführung des Anordnungsmodells rasch nach diesem Entscheid geschehen soll. Für die Verhandlungen haben wir einen externen Experten beigezogen, der Erfahrung im Tarifgeschäft hat und der uns mit seiner Expertise unterstützt. Die «Modellpraxis», die wir 2017 von der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) erstellen liessen, ist nach wie vor gültig und muss nur leicht aktualisiert werden. Sie wird bei den Verhandlungen eine wichtige Rolle spielen, da sie auf realen Zahlen und Umständen basiert, die wir damals per Umfrage unter praktizierenden Psychotherapeut*innen zusammengetragen haben.

Zwischen den Verbänden ASP, FSP und SBAP haben wir uns geeinigt, dass alle drei Partner sich in Zusammenhang mit den Tarifverhandlungen zu gleichen Teilen an den Finanzen beteiligen und dadurch auch das Mitbestimmungsrecht gleichmässig verteilt ist.

Erfolgreich gegen Swisscom Directories

Per Schreiben an die Direktion der Swisscom und im persönlichen Gespräch haben wir uns erfolgreich gegen die Einführung des Suchportals psychotherapie.ch zur Wehr gesetzt. Swisscom Directories hatte ungefragt Namen und Adressen von Psychotherapeut*innen sowie weiteren Personen und Organisationen des Gesundheitsbereichs aus dem Telefonbuch auf diese Vergleichsplattform übertragen. Ein solches Vergleichsportal ist per se fragwürdig. Psychotherapeut*innen können nicht einfach wie Hotels oder Reisedestinationen untereinander verglichen werden. Unsere Forderung war, dass entweder der Name der Suchplattform geändert wird oder nur eidgenössisch anerkannte Psychotherapeut*innen erfasst werden dürfen. Offenbar wurde auch das BAG kontaktiert mit dem Ansinnen, eine Schnittstelle zum Psychologieberuferegister (PsyReg) einzurichten und damit Zugang zu allen registrierten Personen zu erhalten. Das BAG hat sich selbstverständlich nicht auf diesen Deal eingelassen und abschlägig geantwortet.

Swisscom Directories hat seither weitere Vergleichsportale für eine ganze Reihe von Berufen eingerichtet. Ihr Geschäftsmodell ist es offensichtlich, von so vielen Mitgliedern eines Berufszweiges wie möglich Gebühren für einen Eintrag einzukassieren.

Filmvorführung Wir Eltern

Zum zweiten Mal hat die ASP für ihre Mitglieder eine geschlossene Filmvorführung organisiert. Dieses Mal konnten wir den Film Wir Eltern zeigen, in dem ein Elternpaar ihr Leben Zug um Zug von seinen spätpubertierenden Zwillingssöhnen lahmlegen lässt, bis es sich letztendlich veranlasst sieht, die gemeinsame Wohnung zu verlassen. Im Anschluss an den Film stellte sich der Autor und Regisseur Eric Bergkraut, der im Film die Vaterfigur gleich selbst spielt, meinen Fragen und anschliessend denjenigen des Publikums. Moderiert wurde das Gespräch von Veronica Defièbre. Der Film bot auch im Anschluss Anlass für viel spannenden Gesprächsstoff.

Das Konzept ist erfolgreich und wird auch in Zukunft wieder stattfinden. Im Kino RiffRaff in Zürich haben wir einen Partner gefunden, mit dem sich solche Events unkompliziert gestalten lassen. Deren Erfolg garantiert das Format, bei dem nach der Filmvorführung mit Produzent*in, Autor*in oder Regisseur*in ein Gespräch stattfindet. Da wir nicht die einzige Organisation sind, die solche Veranstaltungen durchführt, müssen sowohl der Zeitpunkt wie auch die Filmauswahl jeweils sorgfältig gewählt werden.

Mittagspause bei der Nationalen Gesundheitsförderungs-Konferenz 2020

Nationale Gesundheitsförderungs-Konferenz

Unter dem Titel «Technologiewandel in der Gesundheitsförderung – Kompetenzen im Alltag stärken» fand Ende Januar die 21. Nationale Gesundheitsförderungs-Konferenz statt. Eine Fülle von Workshops und Sub-Plenen befasste sich mit Fragen zu Gesundheitskompetenz und ihrer Anwendung durch die verschiedenen Altersgruppen. Der Schwerpunkt lag auf der Digitalisierung – eHealth – und ihren Chancen und Herausforderungen. Dazu zwei Beispiele.

Dr. Robert van Bokhoven präsentierte das Projekt Pharos (eHealth4all), das in den Niederlanden erfolgreich eingesetzt wird. Ein Blick in die Forschung zeigt wenig überraschend, dass hoch qualifizierte Personen eine bedeutend höhere Lebenserwartung haben als wenig qualifizierte. Eher bildungsferne Personen haben einen schlechteren Gesundheitszustand, führen einen weniger gesunden Lebensstil, nehmen mehr Medikamente, sind eher chronisch krank oder beispielsweise aufgrund von Armut und Schulden grösserem Stress ausgesetzt. Das Projekt will mit seinem Online-Angebot weniger qualifizierte Personen erreichen, um ihre Gesundheitskompetenz zu erhöhen. Die Kommunikation ist klar und verständlich, einfach zu finden und zu navigieren. Die Nutzer*innen werden von Gesundheitsfachpersonen gecoacht und das Angebot wird in lokale Netzwerke implementiert.

In ihrem Referat «Fördert oder erfordert das elektronische Patientendossier (EPD) Gesundheitskompetenz» vertrat Dr. Tania Wenig-Bornholt die Meinung, dass Personen mit niedriger Gesundheitskompetenz nicht notwendigerweise auch wenig «digitalkompetent» und digitalkompetente Menschen noch lange nicht gesundheitskompetent sein müssen. Für ein bürgernahes und nutzenorientiertes EPD empfahl sie, dass die Motivation zur Eröffnung und Anwendung gefördert werden müsse. Inhalte müssten so gestaltet sein, dass sie generelle Gesundheitskompetenz fördern. Es brauche nicht nur Online-Angebote, sondern auch offline «Points of contact», die zur Befähigung vernetzt und verknüpft werden müssten. Neben der Bereitstellung der notwendigen Tools müsse der Bevölkerung deren Nutzen kommuniziert werden. Und schliesslich müssten Finanzierungsmechanismen geprüft und sichergestellt werden. Wenig-Bornholt ist der Überzeugung, dass die kontinuierliche Nutzung des EPD auch die digitale Kompetenz fördert.

Gabriela Rüttimann ist Präsidentin der ASP.

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