Bericht aus den EAP-Meetings

Lissabon, 17.–19. Oktober 2019

Peter Schulthess

https://doi.org/10.30820/2504-5199-2019-2-15

Die Meetings der European Association for Psychotherapy (EAP) verliefen diesmal vergleichsweise ruhig. Die EAP ist sich bewusst, dass sich in den nächsten Jahren in der europäischen Psychotherapielandschaft einiges verändern wird.

Das neue Psychotherapeutengesetz in Deutschland wird einen grossen Impact haben, insbesondere da auch die Vergütungen der frei praktizierenden Psychotherapeut*innen damit verbessert werden. Dank dem neuen Gesetz wird es einerseits einfacher und attraktiver für Österreicher*innen sein, sich in Deutschland beruflich niederzulassen. Andererseits wird es für Deutsche weniger attraktiv sein, in die Schweiz zu kommen, vor allem falls das Anordnungsmodell doch nicht kommen sollte.

Das deutsche Modell, einen universitären Direktstudiengang in Psychotherapie einzurichten, wird Vorbild für andere europäische Länder werden. Dem Vernehmen nach bereiten sich mehrere dutzend deutsche (private und öffentliche) Universitäten darauf vor, einen solchen Studiengang anzubieten. Zu Recht fragen sich manche Uni-externe Weiterbildungsinstitute, was denn ihre Rolle noch sein wird, wenn die Universitäten auch die Weiterbildung inneruniversitär anbieten. Es sei in diesem Zusammenhang auch auf den Beitrag «Trends Richtung Akademisierung der Psychotherapie-Weiterbildung» in diesem Heft (S. 27) und die angekündigte Tagung zu diesem Thema am 28. März 2020 verwiesen.

Die Arbeiten der eingesetzten Arbeitsgruppe mit einem Lobbyisten im EU-Parlament für die Anerkennung des Psychotherapeut*innenberufes als einem eigenständigen Beruf werden fortgeführt. Das EU-Parlament ist neu zusammengesetzt, was der richtige Moment ist, über Psychotherapie und die Versorgung zu sprechen. Auf der neu gestalteten Website der EAP (www.europsyche.org) ist eine gut aufgemachte Broschüre mit einer Argumentation für die Regelung der Psychotherapie als freiem Beruf und verbessertem Zugang zur Psychotherapie zu finden.

Auch gibt es dort einen neuen informativen Flyer über die EAP. Die vor wenigen Jahren gebildete Marketing Group zeigt erste Resultate. Die EAP ist auch auf Facebook mit einer öffentlich zugänglichen Gruppe präsent.

Ebenso schreiten die Bemühungen voran, die Anforderungen an ein Europazertifikat Psychotherapie (ECP) auf Level 7 des European Qualification Frameworks (EQF) anzuheben, damit ein ECP ein in ganz Europa relevantes Label sein kann. Ein Problem ist hierbei allerdings, dass kein Staat ein Label eines Verbandes als EQF 7 anerkennen wird, da solche Labels grundsätzlich nur an Aus- und Weiterbildungsgänge vergeben werden, wenn ein Weiterbildungsanbieter im entsprechenden Land auch wirklich einen Weiterbildungsgang führt, Schulungsräume hat etc. Und das tut die EAP als Dachverband ja nicht selber. Es wären die entsprechenden der EAP angehörenden Weiterbildungsinstitute, die ihr Curriculum im jeweiligen Land anerkennen lassen müssten.

Das Science and Research Committee (SARC) hat zwei wissenschaftliche Kongresse der Society for Psychological Research (SPR) besucht und ausführlich über die Erkenntnisse zum aktuellen Stand der Psychotherapieforschung berichtet. Das Board hat die Initiative des SARC gutgeheissen, am Sonntag, 23. Februar 2020, in Wien im Anschluss an die Meetings eine Tagung zur Forschung zu veranstalten. Ziel ist es, praxisorientierte Forschung in einer Mischung aus qualitativen und quantitativen Methoden zu initiieren, Länder- und Methoden-übergreifend. Professor Matthias Desmet, Belgien, hat bereits seine Zusage geben, sein Forschungsdesign zu «single case time series» praxisgerecht zu präsentieren und beispielhaft bereits realisierte Studien vorzulegen. Das SARC ist dabei, noch ein bis zwei weitere Referent*innen einzuladen, die mit praxistauglicher Verlaufs- und Outcome-Forschung im «mixed design» arbeiten.

Diese Tagung ist ein Resultat des Netzwerkens in der SPR. Dank der Präsenz dort können Kontakte zu ausgewiesenen Forscher*innen geschaffen werden, die dann gern bereit sind, mit einer europaweiten Praxisorganisation Kooperationsmöglichkeiten zu Praxisforschung zu sondieren und sich darin zu engagieren. Das SARC muss dies immer wieder betonen, wenn es im Budget darum geht, den Posten für die Vergütung von Reiseentschädigungen und Kongressgebühren für solche Anlässe zu verteidigen.

Fundament der EAP ist die sogenannte Strassburger Deklaration zur Psychotherapie. Nächstes Jahr ist es 30 Jahre her, seit diese unterzeichnet wurde, mit Vertreter*innen aus Österreich, der Schweiz, Deutschland, Holland und Ungarn. Das soll mit einer kleinen Feier gewürdigt werden. Sie findet am Samstagabend, 22. Februar 2019, im Anschluss an die EAP-Meetings statt.

So kann Historie- und Forschungsinteressierten ein Wochenende in Wien empfohlen werden, mit Besuch der Jubiläumsveranstaltung und der Forschungstagung in der Sigmund Freud Privat­Universität.

Die «Working Group for Refugees» wird im Anschluss an die Herbst-Meetings in Pristina (Kosovo) eine Tagung zum Thema «Integration of Refugees in Europe: Exchange of experiences in different activity fields». Diese Tagung soll europaweit allen mit Geflüchteten Arbeitenden eine Gelegenheit geben, sich miteinander über ihre Erfahrungen auszutauschen. Sie steht auch Mitarbeitenden von Non-Profit-Organisationen offen. Zur Mitwirkung werden auch die grossen internationalen Hilfswerke (wie z. B. UNHCR, Rotes Kreuz) eingeladen. Die Tagung findet am 17.–18. Oktober 2020 statt.

Die EAP hat auch ihre Ethikregelungen ergänzt und die Gliedinstitutionen in die Pflicht genommen, Studierende auch bei Schwierigkeiten vor unethischem Umgang zu schützen. Bisher herrschte hier eine Lücke in den ethischen Richtlinien. Patient*innen waren geschützt, Studierende aber nicht eingeschlossen. Hintergrund sind diverse Beschwerden, die gegen Trainingsinstitute und Fach- oder Dachverbände in einigen Ländern laufen.

2021 soll eine nächste thematische Tagung des Ethik-Komitees zu berufsethischen Fragen in der Praxis stattfinden.

EAP General Board Meeting (Präsentation des Finanzberichtes)

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