Bericht aus den EAP-Meetings

Peter Schulthess

Die Februar-Meetings der EAP fanden turnusgemäss in Wien statt. Zu reden gab im ersten Teil des Board-Meetings die Frage, ob die Arbeit des beauftragten Lobbyisten sich lohne oder nicht. Er war für die Besprechung seines Berichtes online zugeschaltet. Etwas nüchtern betrachtet: Die Frage ist wohl eher so, ob denn die Mitglieds­organisationen und der geschäftsführende Vorstand ihren Teil beitragen, damit der Lobbyist seine Arbeiten vorantreiben kann. Die Diskussionen und die Fragen im Plenum drehten sich um dieselben Punkte wie im Oktober. Das ist nicht effizient seitens des Auftraggebers! Und so lohnt sich dann natürlich auch die Beschäftigung eines Lobbyisten nicht wirklich.

Die Diskussion zeigte eine starke Anspannung innerhalb der Organisation. Philippe Vrancken hat seine Präsidentschaft angetreten mit dem Anspruch auf Veränderung und Verbesserung der Effizienz. Das scheint im geschäftsführenden, wie auch im erweiterten Vorstand nicht jedermann bzw. jederfrau zu behagen. Alt eingespielte Machtstrukturen scheinen dem Veränderungsprozess im Wege zu stehen. Da wundert man sich dann noch, wie es zu Mitgliederschwund und finanziellen Sorgen kommt. Letztendlich hat die Mitgliederversammlung dann aber doch dem Budget 2018 mit einem Beitrag zur Weiterführung des Lobbyings zugestimmt. Die Mehrheit wollte nicht auf halbem Weg stehen bleiben.

Die Budgetdiskussion sorgte für heisse Köpfe, da Ausgaben und Einnahmen sich bei weitem nicht mehr die Waage halten. Dauert der Ausgabenüberschuss an, so hat der Verband sein Kapital in absehbarer Zeit verbraucht. Das ist mit ein Auftrag an die Marketinggruppe und das Executive Board, nach neuen Einnahmequellen zu suchen.

Ein weiteres Beispiel für Ineffizienz war die Diskussion um ein neues Logo. Da beschliesst die Versammlung im Oktober, die Marketinggruppe soll ein modernes Logo entwerfen, diese legt im Februar Entwürfe vor und dann wird diskutiert, ob man denn wirklich ein neues Logo brauche und warum die Marketinggruppe das denn in Angriff genommen hätte. Schliesslich beschliesst das Governing Board mittels zwei Abstimmungen, einem Logo den Vorzug zu geben, wo Grafik und Schrift nicht zusammenpassen, sodass es zur Überarbeitung an die Marketinggruppe zurückgegeben wird …

Das Governing Board hat ein Positionspapier der EAP zum PAS (Parents Alienation Syndrom) und PA (Parental Alienation) verabschiedet. Die EAP warnt davor, dass diese Konzepte verwendet werden können, um Gewalt gegen Kinder und ihre Mütter zu verwischen. Beide Diagnosen seien keine DSM- oder ICD-Diagnosen und würden kein wirkliches Krankheitsbild benennen. Vielmehr bestünde die Gefahr, dass damit Kinder und Opfer häuslicher Gewalt pathologisiert würden. Die EAP empfiehlt, diese Diagnosen im Umgang mit Berichten an Gerichte bei Scheidungs- und Kindersorgerechtsklagen nicht zu verwenden. Das Positionspapier wird demnächst im vollen Wortlaut auf der Website der EAP aufgeschaltet (www.europsyche.org).

In einem Austausch der anwesenden Vertreter im «Science and Research Committee» aus verschiedenen Ländern und Fachrichtungen wurde ersichtlich, wie das Interesse an Psychotherapieforschung zugenommen hat und viele neue Aktivitäten am Entstehen oder bereits am Laufen sind. Über dieses Komitee findet sich in diesem Heft ein weiterer Beitrag.

EAP-Weiterbildungsinstitute

Zum ersten Mal fand auch eine Sitzung, zu der die EAP akkreditierten Weiterbildungsinstitute eingeladen waren, statt. Sie sollen künftig auch eine Kammer innerhalb der EAP Strukturen erhalten. In einem ersten Teil informierte der Generalsekretär Eugenijus Laurinaitis über die Organisationsstruktur und die Ziele der EAP. Das war eher langweilig für jene Vertreter der Institute, die längst mit der EAP vertraut sind. Interessanter waren die Ausführungen der External Relation Officerin Nevena Calovska-Hercog zu CEPLIS (dem EU Council für die liberalen Berufe) und die Informationen des Präsidenten zum ETCS System, die auch auf die Weiterbildungsprogramme der Institute angewendet werden könnten und sollten, wenn man eine europäische Anerkennung des Berufes suche. Celia Scanlan, Vize Präsidentin der EAP, orientierte über den neu gegründeten Mony Elkaim Fonds und dessen Ziele und Ivana Slavkovic, Registrarin der EAP, orientierte über neue Guidelines der EAP zu Arbeit mit bestimmten Patientengruppen, sowie Positionspapieren der EAP.

Diese Top-down Informationen waren insgesamt zu langfädig an einer Veranstaltung, wo sich erstmals Vertreter der Weiterbildungsinstitutionen aus verschiedenen Ländern zu einem Austausch trafen. Spannender wurde es deshalb nach der Pause, wo die Diskussion zu von den Instituten eingebrachten Fragen stattfinden konnte.

Die Statutengruppe wurde beauftragt, eine Kammer zu schaffen, welche die Weiterbildungsinstitute in der EAP vertreten kann.

Ethik-Tagung

Im Anschluss an die Meetings fand eine ganztägige Tagung der Ethikkommission statt zum Thema «Ethics in Psychotherapy». Etwa 30 Personen nahmen daran teil. Nach einer Einführung der Präsidentin der Ethikkommission, Irena Bezic aus Kroatien, referierte Tom Warnecke, United Kingdom, zum Thema «Cat and Mouse – The Ethical Crucible in Psychotherapy Practice». Er zeigte auf, dass ethische Massstäbe stets kontext- und kulturbezogen gelten würden und gesellschaftlichen Veränderung unterworfen seien. Ethische Prinzipien seien deshalb nie von Zweifeln frei und müssten stets im Kontext spezifischer Situationen in der therapeutischen Praxis wieder hinterfragt werden.

Marie-Christine Soulie (SFU, Paris) schilderte, was sie im Fach Ethik im Rahmen der Psychotherapieausbildung an der SDFU lehrt. Sie betonte, dass es nicht reiche, den Wortlaut ethischer Richtlinien zu vermitteln, sondern es bräuchte auch fallbezogene Praxisbeispiele, anhand derer ethische Fragen diskutiert werden könnten.

Schliesslich sprach Margret Aull (ÖBVP, Innsbruck) über die Berufsethik der Psychotherapeuten. Sie gehört dem Ethik-Beirat des österreichischen Bundeministeriums für Gesundheit an und hat in dieser Rolle mit vielen Beschwerden wegen Verstössen gegen ethische Berufsrichtlinien zu tun. Sie erwähnte auch Beispiele, die zum Erlass einer Richtlinie zur Abgrenzung von Psychotherapie, spirituellen und esoterischen Methoden führten.

Spannend wurde die Diskussionsrunde im Anschluss an einen Lunch, wo Fragen und Beispiele aus der Praxis vertieft in Kleingruppen diskutiert werden konnten und anschliessend auf Postern zurück in die ganze Runde gebracht wurden.

Die Teilnehmenden erlebten die Tagung als befruchtend und bereichernd.

Peter Schulthess ist Vorstandmitglied der ASP und vertritt diese gemeinsam mit Gabi Rüttimann in der EAP

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