Generische Psychotherapietheorie

Eine Veranstaltungsreihe der Schweizer Charta für Psychotherapie zu Weiterbildung und Fortbildung

Peter Schulthess

Im Auftrag ihrer Mitgliedsinstitutionen hat die Charta ein Weiter- und Fortbildungsangebot in transdisziplinärem Grundwissen für die Psychotherapiepraxis konzipiert und über die Jahre 2016 und 2017 umgesetzt. Seinen Ursprung hatte dieses Projekt in einem Beschluss der Charta-Konferenz. Mit Inkraftsetzung des PsyG musste der Anteil an Theorieeinheiten von bisher in der Charta üblichen 400 Einheiten auf 500 angehoben werden. Im PsyG sind auch einige nicht richtungsspezifische Themen angegeben, die in jeder Psychotherapie-Weiterbildung enthalten sein müssen. Die Frage stellte sich, ob jedes Institut diesen Theorieanteil thematisch selbst ausbauen und anbieten möchte oder ob man, gerade weil es um transdisziplinäre Inhalte geht, nicht Module entwickeln könnte, die gemeinsam von der Charta für die Studierenden in den verschiedenen Weiterbildungsgängen angeboten werden können. Franz Brander wurde als Studienleiter eingesetzt und gebeten, ein entsprechendes Programm zusammenzustellen. Nachdem er unerwartet noch vor dem Beginn der Veranstaltungsreihe verstarb, übernahm Peter Schulthess als Vorsitzender der Charta interimistisch die Kursleitung und wurde dabei von Roland Mahler unterstützt. Er nimmt im Auftrag des Vorstandes die Kursleitung auch im zweiten Durchgang war.

Thematisch wurde in Übereinstimmung mit den im PsyG geforderten allgemeinen Theorieinhalten Folgendes angeboten:

  • Kenntnisse über unterschiedliche methodische Ansätze in der Psychotherapie: Margit Koemeda führte in die körperpsychotherapeutischen Ansätze ein, Ewa Bielska in die psychoanalytisch orientierte Psychotherapie, Peter Schulthess in die humanistischen Therapieansätze und Martin Rufer in den systemischen Ansatz. Im ersten Durchgang fehlte thematisch noch die Verhaltenstherapie und deren Entwicklungen, dieses Thema wird im zweiten Durchgang ebenfalls vertreten sein.
  • Ein weiterer thematischer Block wurde zu Besonderheiten mit unterschiedlichen Zielgruppen vermittelt: Barbara Jeltsch vermittelte Einblick in das Leben mit Behinderungen und den Umgang damit in der Kindertherapie. Die Veranstaltung zu den Besonderheiten in der Therapie mit alten Menschen musste am vorgesehenen Datum leider ausfallen, wird aber im Februar 2018 den Auftakt zum zweiten Durchgang bilden.
  • Kenntnisse über Ethik, Berufskodex und Berufspflichten wurden von Marianne Meister-Notter und Erhard Grieder vermittelt, grundlegende Kenntnisse über das Rechts-, Sozial- und Gesundheitswesen und seiner Institutionen von Cornelia Kranich.
  • Erkenntnisse der Psychotherapieforschung und deren Implikationen für die Praxis vermittelte Volker Tschuschke.
  • Wielant Machleidt führte in den demografischen, sozioökonomischen und kulturellen Kontext der Psychotherapie und in damit verbundene Implikationen für die Praxis ein.
  • Zur kritischen Auseinandersetzung mit gesellschaftspolitischen und ethischen Fragen im Zusammenhang mit dem Psychotherapeutenberuf lud Mario Erdheim ein.

 

Die Kurstage wurden in der Regel von 15–24 Personen besucht. Nicht alle Weiterbildungsinstitute setzten um, was gemeinsam vereinbart wurde, nämlich die Weiterzubildenden in diese Kurse zu senden. Die Teilnehmenden, welche sich in einer Weiterbildung befanden, kamen zumeist aus jenen Therapierichtungen, für welche die ASP auch die verantwortliche Organisation darstellt.

Diese Studierenden schätzten die Veranstaltungsreihe sehr als Ergänzung zu ihrer schulenspezifischen Weiterbildung am eigenen Institut. An einer der Akkreditierungsveranstaltungen meinten die Studierenden, dass Impulse für eine erwünschte Professionalisierung auch der schulenspezifischen Weiterbildung ausgehen würden. Der Austausch mit Studierendem anderer Richtungen wurde als bereichernd erlebt. Die Dozierenden erhielten in aller Regel gute Rückmeldungen zu ihren Veranstaltungen und dem Praxisbezug.

Die ASP hat diese Kurstage jeweils auch als Fortbildungsveranstaltungen für praktizierende Psychotherapeut/innen ausgeschrieben. In den meisten Veranstaltungen nahmen so auch einige seit Jahren tätige Praktiker/innen teil. Auch sie erlebten die Kurstage als bereichernd und anregend. Die Durchmischung von Praktiker/innen und in Weiterbildung Befindlichen aus verschiedenen Richtungen wurde beiderseits geschätzt.

Diese Veranstaltungsreihe wird alle zwei Jahre wieder angeboten. Das Angebot ist offen für Studierende in sämtlichen Weiterbildungsgängen. Als Fortbildungsveranstaltungen ist es darüber hinaus offen für Psychotherapeut/innen auch über die ASP hinaus. Man beachte jeweils den Veranstaltungskalender und das Kursprogramm auf der Webseite der ASP.

 

Peter Schulthess, Kursleitung

peter.schulthess@europsyche.org

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