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Psychotherapie gehört abgegrenzt von der Transpersonalen Psychologie und Esoterik

Duplik zu den Repliken auf meinen Beitrag in Heft 1-2015

Peter Schulthess

Die vielen Reaktionen auf meinen Beitrag bestätigen zunächst, wie wichtig es war, dieses Thema einmal in den Fokus zu nehmen. Ein Blick in manche Webseiten psychotherapeutischer KollegInnen zeigt, wie beliebt es ist, nicht nur Psychotherapie, sondern auch andere Hilfestellungen aus der Komplementärmedizin oder den Bereichen Esoterik, Transpersonaler Psychotherapie, spirituelle Praktiken und Heilslehren anzubieten. Eine Diskussion über die Verträglichkeit oder Unverträglichkeit einer anerkannten Psychotherapieform mit solchen Ansätzen (mit ihren inhärenten Menschen- und Weltbildern) ist nötig. Diese wollte ich anstossen und das scheint gelungen zu sein.

Als Problem solcher Diskussionen zeigt sich aber sogleich die Begrifflichkeit. Was meinen die Begriffe «Transpersonale Psychologie», «Esoterik», «Spiritualität»? Da gibt es vielerlei Interpretationen, die Reaktionen belegen dies.

Ich bin Mario Schlegel für die Differenzierung in seinem Beitrag dankbar, inwieweit es in der Analytischen Psychologie C.G. Jungs eine Transpersonalität gibt, und weshalb aber Jung allzu oft undifferenziert und zu Unrecht von Vertretern der Transpersonalen Psychologie als einer ihrer Begründer angeführt wird.

So war und ist es denn auch weder meine Absicht noch jene der österreichischen Kollegen gewesen, den Jung’schen Ansatz aus dem Kreis anerkannter Therapieverfahren auszustossen, wie Boadella in seiner Reaktion sinuiert. Gleiches gilt für die Musikpsychotherapie. Ich teile nach wie vor die Werte einer Schulenvielfalt und einer Vielfalt von wissenschaftlichen Nachweisen.

Was ich jedoch für ausserordentlich wichtig halte, ist, dass PsychotherapeutInnen prüfen, was sie kombinieren.

Nicht alles, was auf dem Eso-Spiritmarkt gerade en vogue ist, verträgt sich mit dem Menschen- und Weltbild sowie dem Gesundheits- und Krankheitsverständnis einer seriösen, wissenschaftlich fundierten Psychotherapie. Darin sehe ich mich einig auch mit den AutorInnen der Repliken.

Nirgends habe ich in Abrede gestellt, dass Spiritualität eine wichtige Ressource sein kann und deshalb auch die Auseinandersetzung mit der spirituellen und transpersonalen Dimension des Menschseins in eine Psychotherapie gehört – auch übrigens in der Ausbildung. Da wurde ich wohl von manchen AutorInnen falsch verstanden.

Es ist eine Frage des Wie und des Wann, und ob der Psychotherapeut sich darauf einlässt, weil ein Patient solche Fragen aufwirft, oder ob er es aus eigenem Antrieb tut, quasi aus einem missionarischen Anliegen heraus. Die Gefahren der Manipulation und Beeinflussung wurden auch von den KollegInnen beschrieben. Selbstverständlich gilt das nicht nur für den Bereich spiritueller «Heilwege», sondern auch für weltanschauliche und politische Haltungen und Werte.

An sich ist das in den ethischen Richtlinien unserer Verbände geregelt. Und doch kommt es zu Verletzungen dieser Prinzipien. Das gab ja denn auch in Österreich den Anlass zu einer ministeriellen Regelung. Dass diese nicht aus dem nichts kam, belegt ein Artikel von Susanne Frei, Leiterin der Beschwerdestelle des Wiener Landesverbandes für Psychotherapie (Frei, 2012, 11-14).

Abschliessen möchte ich meine Duplik mit einem Zitat von Anton Leitner: «PatientInnen und KlientInnen haben ein Recht darauf, mit überprüften und überprüfbaren Methoden bei vorliegenden Störungen sicher behandelt und fachlich kompetent beraten zu werden. Die Psychotherapie ist eine rechtlich geregelte Dienstleistung, und setzt im Gegensatz zu spirituellen Handlungen eine gründliche Diagnostik und Differentialdiagnostik sowie eine qualifizierte Differentialindikation voraus.» (Leitner 2011, 96).

Mein Plädoyer, das manche als etwas gar schwarzweiss oder polemisch empfanden, zielt darauf, unter dem Begriff «Psychotherapie» nur anzubieten, was unter diesem Begriff fachlich methodisch anerkannt ist, und nicht undeklarierterweise etwas anderes.

Mit dieser Duplik soll das Thema dieses «Fokus» in dieser Zeitschrift vorerst abgeschlossen werden, vielleicht kann diese Diskussion in Rahmen einer Tagung als Fortbildungsangebot aufgenommen und weiter vertieft werden?

Literatur

Frei, Susanne (2012): Praxisnotizen vom Berufsethischen Gremium (BEG): Esoterik, Spiritualität und religiöse Heilslehren im Rahmen von Psychotherapien. Wien, ÖBVP News Mai 2012.

Quelle: Internet (31. Mai 2016)

Leitner, Anton (2011): Psychotherapie auf dem Weg zur Professionalisierung. In: Kierein, M. und Leitner, A. (Hrsg.): Psychotherapie und Recht. Facultas, Wien, S. 85-136, 1. Aufl. 2011

Peter Schulthess, eidg. anerkannter Psychotherapeut ASP, ist Gestalttherapeut und praktiziert seit 1976 in eigener Praxis. Er pflegt eine internationale Lehrtätigkeit und ist seit vielen Jahren auch berufspolitisch tätig. Er gehört als Vorsitzender der Schweizer Charta für Psychotherapie dem Vorstand der ASP an.

Kontaktadresse: praxis@pschulthess.ch

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