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Psychotherapie International

Peter Schulthess

Bericht aus den EAP Meetings

Im Anschluss an die Tagung des SARC (Science and Research Committee) fanden die regulären Meetings der EAP vom 18.-20. Februar in Wien statt.

Damit sei auch gleich vorweggenommen: Die Tagung vom 16./17. Februar zum Thema «Connecting Psychotherapy Practice and Research» war ein Erfolg. Etwa 100 Teilnehmende (die meisten repräsentierten eine nationale oder europäische Organisation oder ein Ausbildungsinstitut) liessen sich durch die ReferentInnen zu vermehrter Forschung inspirieren. Die Präsentationen sind auf der Website der EAP (www.europsyche.org) zum Download bereitgestellt.

Es referierten:

Joachim Bauer: How the Social Neurosciences Add to our Understanding of the Psyche

Omar Gelo: Psychotherapy Research: Psychotherapy between practice and research

Chris Evans: How many ways can self-report change measurement help psychotherapy? Learning from CORE

Linda Finlay: Exploring human experience through relational-centred qualitative research

Volker Tschuschke: The wrong understanding of Evidence-Based Research in psychotherapy: A plea for intensive process-outcome research in naturalistic studies

Als Outcome der Tagung wurde gewünscht, dass vom SARC vier Projekte lanciert werden:

Die Anwendung von CORE in Praxis und Ausbildung von PsychotherapeutInnen,

Qualitative Forschung: Eine Veranstaltung mit Handlungsanweisungen, wie Interessierte gute qualitative Forschung betreiben können,

Entwicklung eines naturalistischen Designs analog der PAP-S für eine länderübergreifende Studie,

Vermittlung von Designs zu einfachen process-outcome Studien.

Der Beitrag von Joachim Bauer erscheint in bearbeiteter Form auch in unserer Zeitschrift «Psychotherapie Wissenschaft» 1-2016.

Erstmals wurden für die regulären Meetings drei Tage eingesetzt, um den Zeitdruck auf die diversen Komitees zu reduzieren. Dafür sollen nur noch zwei – statt der bisherigen drei – zweitägige Treffen stattfinden.

Allerdings war die neue Zeiteinteilung für manche Komitees nicht zufriedenstellend. So müssen sich das NUOC (National Umbrella Organisations Committee) und das EWOC (European Wide Organisations Committee) weiterhin mit bloss 90 Minuten Sitzungszeit begnügen. Da fragten sich manche nationalen Delegierten, weswegen sie einen Tag mehr aufwenden sollten.

Aus Belgien erreichte uns schlechte Nachricht: Neue Regierung, neues Gesetz. Und offensichtlich geschicktes Lobbying der Psychologenverbände.

Psychotherapie ist nun nicht mehr als eigener freier Beruf reguliert, sondern als Methode der klinischen Psychologen. Eine Frucht eines «Krieges» zwischen den Klinischen Psychologen und den Psychotherapeuten. Das Gesetz von 2014 musste wegen einer Klage der Orthopäden revidiert werden, was die Regierung zum Anlass nahm, auch gleich die Psychotherapie neu zu regeln.

Psychotherapie privat tätiger Psychotherapeuten wird nicht durch die Kasse finanziert, nur solche in staatlichen Organisationen. Es gibt künftig auch keine privaten Ausbildungsinstitute mehr, der letzte Durchgang erfolgt 2016 mit Ende 2020. Für die Weiterbildung in Psychotherapie gibt es keine Vorgaben, wird offenbar gleichgesetzt mit dem Studium der Klinischen Psychologie.

Der Belgische Verband der Psychotherapeuten prüft nun rechtliche Schritte. Es mache in Belgien unter diesem Gesetz keinen Sinn mehr, eine nationale Organisation der Psychotherapeuten zu führen, von der EAP akkreditierte Ausbildungsinstitute zu führen und ECP’s (European Certificate for Psychotherapy) zu erteilen.

In der Diskussion wird deutliche Kritik an der Führung der EAP durch das Executive Board und den Generalsekretär geäussert. Die EAP verliere zusehends an politischer Relevanz. Die EAP müsse neue Prioritäten setzen und politisch wieder aktiver werden.

An die Arbeit mit Bürgerkriegsgeschädigten in der Ukraine wird ein weiterer Beitrag von 5'000 Euro bewilligt. Angesichts der Flüchtlingstragödie in Griechenland wurde auf Antrag des Schreibenden eine Task Group zur Unterstützung von Freiwilligen in den vielen NGO’s in der Flüchtlingsarbeit gebildet.

Zum Schluss noch eine positive Botschaft der Registrarin: Im vergangenen Jahr ist die Zahl der erteilten ECP’s wieder angestiegen.

Peter Schulthess ist Vorstandsmitglied der ASP und vertritt gemeinsam mit Gabi Rüttimann die ASP in der EAP. Er ist in der ASP Vorsitzender der Schweizer Charta für Psychotherapie und in der EAP Vorsitzender des SARC.

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