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Peter Schulthess

Bericht aus der EAP

In Moskau fand vom 5.-7. Juli 2013 der erste vereinigte Kongress der EAP und der Asian Federation for Psychotherapy statt. Er bot eine Reihe interessanter Veranstaltungen und die Möglichkeit zu einem Austausch zwischen asiatischen und europäischen PsychotherapeutInnen.

Die Meetings der verschiedenen EAP Kommissionen wie auch die Mitgliederversammlung fanden am Rande dieses Kongresses statt. Die 2-jährige Amtsperiode von Adrian Rhodes (Grossbritannien) ging zu Ende, als neuer Präsident wurde der bisherige Vizepräsident Prof. Eugenius Laurinaitis aus Vilnius, Littauen, gewählt. Adrian Rhodes bleibt als „outgoing president“ Vizepräsident, während Celia Scanlan (Schottland) als neue Vizepräsidentin gewählt wurde. Durch die Konzeption, dass ein „incoming president“ und der „outgoing president“ als Vizepräsidenten amtieren, wird eine 6 jährige konstante Mitarbeit im Vorstand gewährleistet.

Die Mitgliederzahl der EAP ist ansteigend, auch wurden drei neue Trainigsinstitute auf Antrag des TAC (Training and Accreditation Committee) als EAP-Training Institute aufgenommen.

Erneut wurde die Amtszeit des Generalsekretärs um weitere zwei Jahre verlängert, obwohl die ursprüngliche statutarische Frist einer maximalen Amtszeit von 10 Jahren längst überschritten ist (er versieht das Amt nun in seinem 13. Jahr). Statt rechtzeitig für einen Nachfolger zu sorgen, beschloss die Mitgliederversammlung zum Ende der 10-jährigen Amtszeit die Statuten so zu ändern, dass er darüber hinaus jeweils für weitere 2 Jahre im Amt bestätigt werden kann, ad infinitum. Eine Stellvertretung für den Generalsekretär gibt es nach wie vor nicht. Man setzt offenbar weiterhin auf charismatische Personalkonstanz statt auf Innovation durch Wechsel in diesem zentralen Amt. Schade – die Vertreter der ASP und andere verlangten schon seit Jahren eine vorausschauende Personalplanung zur Nachfolgeregelung, blieben aber in der Minderheit.

Das Projekt „Professional Competencies“ ist soweit abgeschlossen worden, als die „Core-Competencies“ nun als EAP Dokument verabschiedet worden sind (vgl. www.europsyche.org). Die weitere Arbeit der zuständigen working group soll nicht mehr bezahlt werden, da viele Delegierte fanden, selbst ein solch arbeitsintensives Projekt sollte ehrenamtlich ohne Entschädigung erfolgen. Die Zuständigkeit für die Erarbeitung von „modality specific competencies“ sollte bei den Europäischen Fachorganisationen bleiben, man vertraut darauf, dass diese die Arbeit schon vollenden würden. Es wird am ETSC (European Training Standards Committee) liegen, diese zusammenzutragen und dafür zu sorgen, dass das Set von „modality specific“ und „special competencies“ fertig erarbeitet wird und später auf der Grundlage dieser Kompetenzen auch neue, an ihnen orientierte Training Standards entstehen.

In Deutschland hat sich nach der Auflösung des bisherigen deutschen Fachverbandes ein neuer Verband (Deutscher Fachverband für Psychotherapie) gebildet, welcher künftig in der EAP die deutschen PsychotherapeutInnen vertreten will. Der Verband befindet sich noch im Aufbau.

Ein weiteres Treffen der EAP-Kommissionen fand im Oktober 2013 in Larnaka, Zypern statt. Gleich zu Beginn entspann sich im Board eine Diskussion um die politische Situation in Zypern, welches in zwei Teile gegliedert ist: Türkische Besetzung im Norden, der EU angehöriger griechisch-zypriotischer Staat im grösseren Süden. Diese Situation hat auch Einfluss auf die zypriotischen Organisationen der Psychotherapie. Es wurde zwar laufend bezeugt, dass man alle zypriotischen PsychotherapeutInnen im türkischen wie im griechisch-zypriotischen Teil als gleichwertig anerkennen würde, es war aber doch unübersehbar, dass politische Spannungen im Raum waren: Wer darf sich in wessen Namen zu welchen Themen äussern?

Es wurde vom Generalsekretär thematisiert, ob man weiterhin 3 Meetings pro Jahr abhalten soll, oder besser nur zwei, dafür kleinere in konfliktiven Ländern. Es wurde beklagt, dass viele Repräsentantinnen der EAP-Verbände zwischen den Meetings gar nichts täten und somit die Arbeit nur auf wenigen Schultern lasten würde. Die Landesverbände sollten zwischen den Meetings in ihren Ländern mehr politische Aktivitäten entfalten. Erstmals musste die EAP eine bereits angesagte Tagung in Wien absagen. Die Verantwortung dafür sah Pritz bei der mangelnden Aktivität der Delegierten der Landesverbände.

Erneut konnten 3 Trainings Institute anerkannt werden.

Das International Psychotherapy Journal ist neu auch via Internet downloadbar: http://www.ijp.org.uk. Ihr wissenschaftlicher Beirat ist erneuert und erweitert worden. Es können auch bloss einzelne Artikel aus den Nummern heruntergeladen werden zu einem günstigen Preis.

Aus der Strategiegruppe wurden Inspirationen für die Tätigkeiten eines External Relations Officers zusammen getragen. Ein solcher muss im Februar 2014 in Wien neu gewählt werden, weil die bisherige Amtsinhaberin wegen einer akademischen Berufung bereits nach weniger als einem Jahr wieder zurücktreten musste.

Ein weiteres Thema war die Ausbildung zum Psychotherapeuten an Universitäten. Heute sehen die EAP Trainingsstandards vor, dass es eine Vorbildung auf Bachelor Niveau braucht, um eine psychotherapeutische Weiterbildung zu beginnen. Das muss überdacht werden mit der Entstehung von universitären Ausbildungsgängen (Direktstudium Psychotherapie). Der Eintritt in ein Studium erfolgt logischerweise „undergraduate“, doch ein Teil der Psychotherapieausbildung beginnt bereits während des Bachelorstudiums. Ziel ist, mit dem Master Abschluss auch die vollständige Psychotherapie Ausbildung abgeschlossen zu haben, wie das etwa an der SFU (Sigmund Freud Universität Wien) möglich ist. Das würde zwar gegen die EAP Standards verstossen, nicht aber gegen das österreichische Recht. Eine Lösung ist noch nicht in Sicht. Man versucht, durch die Orientierung am EQF-Standard (European Qualification Framwork) zu einer Lösung zu gelangen, doch sehen gerade diese Standards erheblichen Spielraum für die einzelnen Länder vor, sind also auch nicht europaweit deckungsgleich.

Wenn man das auf die Schweiz bezieht: Hier wurde eben ein Gesetz in Kraft gesetzt, welches einen Masterabschluss in Psychologie verlangt, bevor man überhaupt zu einer psychotherapeutischen Weiterbildung zugelassen werden darf. Es gibt also noch viel zu tun für eine europaweite Harmonisierung unseres Berufes. Und die Idee eines Direktstudiums in Psychotherapie wirkt wie eine unrealistische Zukunftsmusik in Ländern, welche die Psychotherapieausbildung postgradual nach dem Masterstudium ansiedeln.

Autor

Peter Schulthess ist Präsident der Schweizer Charta für Psychotherapie und Vorstandsmitglied der ASP.

Er nimmt seit vielen Jahren an den EAP Meetings teil, früher als Präsident der Europäischen Vereinigung für Gestalttherapie, heute gemeinsam oder abwechselnd mit der Präsidentin Gabi Rüttimann für die ASP. In der EAP ist er zur Zeit Mitglied des ETSC, des pool of experts des TAC und Mitglied im Research Committee.

Korrespondenz

E-Mail: praesidium@psychotherapiecharta.ch

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