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Peter Schulthess

Bericht aus der EAP

Die EAP hat vom 13.-15. Februar 2014 ihre Meetings in Wien abgehalten. Nachfolgend wird darüber berichtet.

Kompetenzen der PsychotherapeutInnen

Am 13. Februar fand eine gesonderte Arbeitstagung des EWOC (European wide Organizations Committee) statt. Das Thema galt dem Projekt der Berufskompetenzen der PsychotherapeutInnen, über welches hier wiederholt berichtet worden ist. Die europaweiten Fachorganisationen haben die Aufgabe, nebst den allgemeinen Berufskompetenzen, wie sie bereits erarbeitet und auf der website www.europsyche.org wurden, nun die methodenspezifischen Kompetenzen zu formulieren. Die Tagung diente dazu, sich gegenseitig zu erläutern, was man methodenspezifisch macht in der Psychotherapie. Verschiedene Fachrichtungen präsentierten ihren Ansatz, ihr Menschenbild, Therapieverständnis und ihre Auffassungen von Krankheit und Gesundheit, wie auch ihre Vorgehensweise. Das ergab eine spannende schulenübergreifende Fortbildungsveranstaltung, spannend zumindest für jene, die mit den verschiedenen Richtungen noch nicht so vertraut waren. Die meisten ReferentInnen blieben aber dabei stehen und vergaben die Chance, über das eigentliche gestellte Thema der methodenspezifischen Kompetenzen, die in der Ausbildung herausgebildet werden, zu reden, diese zu definieren und abzugrenzen von allgemeinen professionellen Kompetenzen. Einzig die GestalttherapeutInnen waren so weit, ihren Katalog der methodenspezifischen Kompetenzen präsentieren zu können. Sie hatten eine Arbeitsgruppe eingesetzt, welche entsprechend der von der Pilotgruppe des Projektes vorgegebenen Struktur den Katalog der Kompetenzen um die methodenspezifischen ergänzen zu können. Diese Form der Arbeitsorganisation nahmen die anderen Verbände nun als Modell und werden am gestellten Thema weiterarbeiten.

Sicherheitsrisiken der Psychotherapie im Internet Zeitalter

Am Board Meeting in ist ein wichtiges Thema aufgenommen worden: Psychotherapie oder Supervision via Skype, Online-Therapien, Kommunikationen mit sms, e-mail, all das ist heute möglich und wird auch gemacht. Nur wenige reflektieren, wie sie unter Einsatz dieser Medien die Vertraulichkeit und den Patientenschutz gewährleisten wollen. Dazu sind PsychotherapeutInnen aber verpflichtet, ihre Berufstätigkeit steht unter Schweigepflicht gegenüber dritten. Dass diese Kommunikationswege ungesichert sind, weiss man seit dem Zeitalter der Telefonie, aber auch seit Einführung der modernen digitalen Kommunikation. E-Banking hatte die selber Probleme. Hacker schaffen es trotz geschützter bzw. verschlüsselter Datenweitergabe in Rechenzentren einzudringen und sich Daten zu holen. NSA z.B. (der amerikanische Geheimdienst) sammelt gemeinsam mit Telefongesellschaften und Internetdiensten Daten in einer Menge, die einen schwindlig werden lässt. Wenn man weiss, dass 50% der via Skype abgewickelten Kommunikationen von Skype routinemässig aufgezeichnet werden, so erkennt man, wie unsicher dieser Kommunikationsweg ist. Es ist so unmöglich, als PsychotherapeutIn den verlangten Patientenschutz und die gebotene Geheimhaltung zu gewährleisten. Wer digitale Systeme zur Psychotherapie verwenden will, muss auf sichere, verschlüsselte Systeme ausweichen. Solche gibt es als Alternative zu Skype durchaus. Man kann sich von diesem Bruch mit der Berufspflicht auch nicht dadurch entlasten, dass man sich das Einverständnis von PatientInnen geben lässt, denn die Verantwortung zur Einhaltung des Berufsgeheimnisses liegt beim Therapeuten bzw. der Therapeutin. Entbindungen von der Schweigepflicht können nur gegenüber bestimmten, dem/der PatientIn bekannten Personen erfolgen, doch bei diesen neuen Medien kann man ja nicht wissen, wer alles mithört oder mitschaut. Die meisten Berufsverbände und Ausbildungsinstitute haben diese Problematik noch nicht erkannt, sie gehört dringend reflektiert. Die Gesetzeslage ist auch hier unterschiedlich in verschiedenen europäischen Ländern. So sind diese Kommunikationswege etwa in Österreich schlicht per Gesetz verboten. In der Schweiz gibt es m.W. noch keine solche Gesetzesbestimmung, nur das generelle Berufsgeheimnis, bei dessen Verletzung man sich strafbar macht. Die Ärzteschaft hat diese Problematik früher erkannt und spezielle geschützte Kommunikationswege eingerichtet für den e-mail Verkehr zwischen ÄrztInnen. Die psychotherapeutischen Verbände haben da einen Nachholbedarf und sollten sich dringend mit dieser Thematik beschäftigen, um Empfehlungen an die Mitglieder abgeben zu können. In der EAP hat sich nun eine internationale Arbeitsgruppe gebildet, welche sich vertieft mit dem Thema beschäftigen wird.

Ukraine

Der Vertreter des Ukrainischen Verbandes für Psychotherapie hat aus aktuellem Anlass über die Maidanbewegung und ihre gewalttätige Unterdrückung durch das damalige Regime berichtet. Es gibt viele körperlich und psychisch traumatisierte Opfer dieser Auseinandersetzungen. Gezielte Schüsse auf Augen, Tötungen und Folterungen sind berichtet worden. Die ukrainischen FachkollegInnen brauchen Unterstützung in der Bewältigung der Betreuungsarbeit. Verschiedene Verbände aus anderen Ländern haben in der Folge Unterstützung in verschiedener Form angeboten: Unentgeltliche Einladung ukrainischer KollegInnen zu Weiterbildungsveranstaltungen in der Arbeit mit traumatisierten Menschen und solchen, die Angehörige verloren haben oder Seminare (unentgeltlich für die ukrainischen Teilnehmenden) die vor Ort in Kiew angeboten werden, oder auch Geldsendungen zur materiellen Hilfe. Die politische Entwicklung hat sich seither geändert und noch weiss man nicht, ob sich die Konflikte weiter zu einem Krieg ausweiten oder sich begrenzen lassen.

Fortschreitende Akademisierung der Psychotherapieausbildung

Bisher kannten die EAP Richtlinien das folgende Ausbildungskonzept: 3 jährige universitäre Ausbildung mit Bachelor Abschluss oder Äquivalent, für fachfremde angehende PsychotherapeutInnen eine ergänzende minimale Weiterbildung in psychotherapiereleveanten Fächern und anschliessend eine 5 jährige psychotherapeutische Weiterbildung. Im Zuge der Europäisierung wird diskutiert, auf welchem Niveau des EFQ (European Quality Framework) die Psychotherapieausbildung als Berufsausbildung anzusiedeln ist. Eine europaweite Klärung würde die Mobilität der PsychotherapeutInnen im EU-Raum erleichtern. Beim bisherigen System ist zugleich deutlich, dass ein Werdegang wie etwa an der SFU (Sigmund Freud Universität Wien) der EAP Systematik widerspricht. Der Zugang zur psychotherapeutischen Weiterbildung erfolgt schon ab erstem Semester als Undergraduate (ohne akademischen Grad, nur mit Hochschulreife), während der Abschluss innert 5 Jahren zu einem zweiten akademischen Grad auf Masterlevel führt, im Unterscheid zu jenen Werdegängen, wo man als Bachelor (oder Äquivalent) eintritt und dann nach 5 Jahren Therapieabschluss einen Titel eines privaten Instituts hat, aber keinen weiteren akademischen Grad. Da die Akademisierung der Psychotherapie in allen Ländern voranschreitet und sich auch an anderen Universitäten als der SFU direkte Psychotherapiestudiengänge neu bilden ist in der EAP eine Arbeitsgruppe eingesetzt worden, welche die EAP Bestimmungen überprüfen und so revidieren will, dass auch AbgängerInnen von direkten akademischen Studiengängen ohne weitere Auflagen ein ECP (European Certificate for Psychotherapy) erhalten können, auch wenn die gesamte Ausbildungszeit unterschiedlich lang ist. Zudem soll die Eingliederung der Berufsausbildung zum Psychotherapeuten in das EFQ vertieft geklärt werden.

Neuer External Relations Officer

Der vakante Posten eines External Relations Officers wurde mit der deutsch-portugiesischen Annette Kreuz kompetent besetzt. Diese Vorstandsfunktion soll die externen Beziehungen zu anderen Verbänden, europäischen Institutionen, Patientenorganisationen usw. vertiefen. Da besteht in der EAP ein Nachholbedarf. Ein erster Schritt wurde gleich an der Sitzung gemacht: Innert kurzer Zeit wurde ein Schreiben ausgesetzt mit Fragen, die man angesichts der aktuellen EU Parlamentswahlen, den Vertretern zu ihrer Haltung zur Psychotherapie stellen könnte.

SRC (Science and Research Committee)

Dieses Komitee ist im Aufbau begriffen und soll Impulse zur Forschung und zur Zusammenarbeit mit anderen Forschungsinstitutionen anregen. Nur schon die Diskussion aber, was das Komitee alles tun oder nicht tun soll, dauert nun schon viele Quartale und ist noch immer nicht bereinigt. Das gehört zur frustrationsreichen Verbandsarbeit, wo in den Komitees immer wieder andere Leute einsitzen, welche einen Konsens der letzten Sitzung wieder umwerfen können. Na ja, gut Ding will Weile haben.

Interessant ist, dass auf der website der EAP jeder Hinweis auf dieses Komitee unter der Rubrik Forschung fehlt. Wer dort anklickt, kommt auf eine Werbeseite der SFU, als ob diese die wissenschaftliche Abteilung der EAP wäre. Ist sie nicht. Der Schreibende hat den Vorstand darum gebeten, das Verhältnis zwischen EAP und SFU zu klären und abzugrenzen. Die Personalunion des Generalsekretärs der EAP und der Rektorenposition der SFU durch Professor Alfred Pritz erleichtern auch für die Aussenwelt die Abgrenzung bzw. Unterscheidbarkeit der beiden Organisationen nicht gerade.

Immerhin konnte dieses Komitee auch mit einer Fortbildungsveranstaltung aufwarten: Omar Gelo, ein Dozent zur Psychotherapieforschung an der SFU Wien wurde eingeladen zu einem Vortrag zu verschiedenen Arten der Forschung. Ziel war es, aufzuzeigen, welche Forschungsdesigns dem Gegenstand der Psychotherapie am besten entsprechen könnten, bzw. wie die Art der zu untersuchenden Fragen die Wahl des Forschungsdesigns beeinflusst. Die verschiedenen Designs wurden nicht als besser oder schlechter bewertet, vielmehr deren unterschiedliche Aussagekraft bzw. deren Limitierung erläutert. Psychotherapieforschung hat zum Ziel, zu verstehen, wie Psychotherapie wirkt und noch besser wirken könnte. Es geht darum zwischen Wissenschaft und Praxis ein Verbindung zu schaffen: Hier eine klinisch informierte Forschung, dort eine über die Ergebnisse der Forschung informierte klinische Praxis. Outcome-Research untersucht die Frage: Ist Psychotherapie wirksam? Process Research hingegen: Was passiert in der Psychotherapie? Und Process-Outcome research verbindet die Fragen zu folgender: Warum ist Psychotherapie wirksam? Deutlich wurde, dass Prozess-Outcomeforschung (wie sie etwa in der PAP-S gemacht wurde) einen wichtigen Platz in der Psychotherapieforschung einnimmt, da nur sie über das hinlänglich bekannte Ergebnis, dass Psychotherapie wirkt, hinaus und weiterführt.

Zum Schluss der Diskussion wurde gefragt, wie man die Komplexität eines von Therapeut und Patient ko-kreierten therapeutischen Prozesses am besten beforschen könnte. Die ernüchternde Antwort: Forschung geht leider nicht ohne Simplifizierung.

TAC (Training and Accreditation Committee)

Dieses Committee ist zuständig für die EAP Anerkennung als Trainingsinstitut und deren Reakkreditierung. Insbesondere bei Neuanerkennungen werden jeweils zwei Experten eingesetzt, welche die Unterlagen genauer studieren und das Institut vor Ort besuchen, um zu prüfen, ob es den geforderten Standards entspricht. Einer stammt jeweils aus der selben Therapierichtung und einem anderen Land, der andere aus dem selben Land aber einer anderen Therapierichtung. Dazu gibt es einen pool of experts. Peter Schulthess ist als Vertreter der ASP in diesen Pool aufgenommen worden. Er gehörte ihm vorher schon mehrere Jahre als Vertreter der EAGT (European Association for Gestalttherapy) an und hat eine reiche Erfahrung in der Prüfung von Instituten. Erfreulich ist, dass es immer weitere Institute aus verschiedenen Therapierichtungen gibt, die sich als EAP-TI akkreditieren lassen. Aus der Schweiz ist die Nachfrage allerdings klein. Die hiesigen Institute beschränken sich meist darauf, von einem der grossen Schweizer Verbände anerkannt zu sein, bzw. jetzt die Akkreditierung gemäss PsyG beim Bund zu erreichen.

NUOC (National Umbrella Organizations Committee)

In diesem Komitee treffen sich jeweils die Delegierten der verschiedenen Landesverbände. Auch hier geht es in periodischen Abständen darum, diese zu re-akkreditieren.

Das Thema der Internet-Therapien wurde auch hier diskutiert und die Landesverbände angeregt, die Situation in ihrem Land rechtlich zu klären und dafür zu sorgen, dass die Mitglieder sich der Brisanz des Themas bewusst werden. Die Landesverbände sind innerhalb der EAP Struktur auch verantwortlich dafür, bei den ECP-holdern zu prüfen, ob sie die geforderten Fortbildungen jeweils machen. Dies wird in den verschiedenen Verbänden sehr unterschiedlich gemacht: Von Systematisch bis zu Stichprobenartig. Es wurde angeregt, ein Modell für best practice auf die EAP website zu setzen.

Aus Sicht des langjährigen Präsidenten der Schweizer Charta für Psychotherapie ist es einerseits erfreulich zu sehen, dass Fragen zur schulenvergleichenden Psychotherapie (wie etwa im EWOC nun diskutiert) oder der Forschung (wie im SRC thematisiert) nun auch in der EAP vertieft werden. Andererseits erstaunt, wie lange das dauerte.

Autor und Korrespondenz

Peter Schulthess ist Präsident der Schweizer Charta für Psychotherapie und Vorstandsmitglied der ASP.

E-Mail: praesidium@psychotherapiecharta.ch.

Er nimmt seit vielen Jahren an den EAP Meetings teil, früher als Präsident der Europäischen Vereinigung für Gestalttherapie, heute gemeinsam oder abwechselnd mit der Präsidentin Gabi Rüttimann für die ASP. In der EAP ist er zur Zeit Mitglied des ETSC, des pool of experts des TAC und Mitglied im Research Committee.

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