Rezension

Leila Osman

Pruckner, H. (2001). Das Spiel ist der Königsweg der Kinder.

Psychodrama, Soziometrie und Rollenspiel mit Kindern. München: Scenario Verlag und Verlagsbuchhandlung, 166 Seiten, Eur 22,90, ISBN 3-929296-10-1

Im Buch von Hildegard Pruckner „Das Spiel ist der Königsweg der Kinder“ geht es um spielerische Psychodrama-Therapie bei Kindern. Es basiert auf der Theorie des klassischen Psychodramas. Ihre Beispiele stammen aus dem pädagogischen, sozialpädagogischen und auch therapeutischen Bereich.

„So tun, als ob“ ist die erste zentrale Regel in der Anfangsphase. Die zweite Regel ist das Gesprächsritual am Beginn und Ende der Gruppe. Weiter gilt es auf die Verschwiegenheitspflicht aufmerksam zu machen und Hildegard Pruckner legt viel Wert auf die Freiwilligkeit der Kinder zum Spielen. Fortsetzend erklärt sie den nötigen Rahmen zum Aufbau einer solchen Spielgruppe: Es werden Räume, dessen Ausstattung und Requisiten näher erläutert, damit Kinder sich spielerisch öffnen, entfalten und ausdrücken können. Im weiteren Verlauf wird das Spiel ausgesucht, Rollen werden vergeben, ein Spielentwurf muss gefunden werden und die Bühne aufgebaut. Nach der stattgefundenen Spielhandlung erfolgen die sogenannten Entrollungen und abschließend gibt es eine Feedbackrunde. Die Autorin verwendet in ihrer Arbeit mit Kindern psychodramatische Techniken wie z. B. Rollentausch, Symbolebene, das Doppeln und das Zeichnen von Soziogrammen. Ergänzend erwähnt sie die Arbeit mit intermediären Objekten. Dabei werden kreative Materialien wie Kasperlpuppen, Videokameras, Texte oder selbstverfasste Gedichte oder Zeichnungen in die Spielgruppen mit einbezogen. Anwendung findet bei ihr auch das Monodrama mit Kindern. Dabei sind Übertragung, Gegenübertragung, Deutung und Interventionen zentrale Elemente. Dies erfordert viel Rollenrepertoire, Rollenflexibilität und strenge Rollenklarheit.

In ihrer Arbeit mit Kindern bewahrt sie stets eine wertschätzende Haltung und überträgt den ressourcenorientierte Ansatz auf die Arbeit mit dem realen sozialen Atom des jeweiligen Kindes. Sie klärt den Unterschied zwischen einer Psychotherapie und Sozialpädagogik und bringt die Schwerpunkte der heilende Richtungen näher: kurz gesagt, Pädagogik ist präventiv für die psychische Gesundheit und die Psychotherapie ist nachreifend und ausheilend. Eine eigene Theorie für Kinderpsychodrama gibt es nicht. Daher bezieht sie sich auf die von Moreno entwickelten Methoden. Diese wiederum stammen hauptsächlich aus der Kinderbeobachtung und deren kindlichem Spiel. Hildegard Pruckner offenbart aber durchaus eigene Grundhaltungen in ihrer Arbeit. Diese entstammen der Theorie des klassischen Psychodramas. Die psychodramatische Theorie basiert auf der Rollentheorie. Moreno hat diese und auch die zentralen Techniken, analog der kindlichen Entwicklung, erarbeitet: die Bedeutung der Säuglingsforschung für die Psychodrama- Therapie und der des Kindergartens für die Entwicklung und Reifung der Kinder. Daraus kann man die Kinder besser verstehen und ihre altersentsprechenden Kompetenzen werden empathisch nachvollziehbar.

Zusammenfassend erläutert Hildegard Pruckner, die als Psychodrama- Psychotherapeutin, Kinder - und Jugendlichentherapeutin arbeitet, in ihrem Buch „Das Spiel ist der Königsweg der Kinder“, wie man verschiedene Techniken der Psychodrama- Therapie bei den Kindern anwenden kann. Sie veranschaulicht durch Fallbeispiele mit Schulkindern sehr gut, wie man mit Hilfe von Soziometrie, Monodrama, Anwendung von Intermediärobjekte, Symboltechnik, Doppeln, Sharing, Rollenspiel in der Seele eines Kindes eine Begegnung stattfinden kann. All das sollte abschließend dazu führen, dass sich das Kind emotional und geistig weiter entwickeln kann. Das neu gewonnene Selbstbewusstsein, die erfahrene Stärkung und die inneren Ressourcen, die das Kind durch das therapeutische Spiel erlernt hat, sollen nun dazu dienen, dass sich das Kind in der Umgebung, seiner Familie oder in der Schule mit den neuen Verhaltensweisen besser zurecht findet.

Meiner Meinung nach ist das Buch sehr offen geschrieben und dadurch sehr lehrreich. Die Autorin schreibt authentisch über ihre Erlebnisse mit Psychodrama bei Kindern. Das Buch eignet sich für mich gut in der Schulberatung, der Integration von ausländischen Schülern, der Integration innerhalb der Familie und oder einen neuen Umgebung. Vor allem in der Stärkung der Persönlichkeit der Kinder. Mit Hilfe der erklärten Anwendungen ist es möglich, neue Ressourcen bei Kindern zu finden, welche psychische Gesundheit und das Selbstbewusstsein fördern.

Eine angenehme hilfreiche Lektüre für alle, die einmal mit Kindern oder im Bereich des Psychodramas mit Kindern arbeiten wollen!