Essay
Mario Schlegel
Psychotherapie-Wissenschaft 16 (2) 2026 35–41
www.psychotherapie-wissenschaft.info
https://doi.org/10.30820/1664-9583-2026-2-35
Zusammenfassung: Die KI als neues technologisches Werkzeug, das unser Zusammenleben in vielen Bereichen verändert, wird aus mythologischer Perspektive betrachtet, wobei auch evolutionsbiologische und psychotherapeutische Gesichtspunkte einbezogen werden. Diese Arbeit geht davon aus, dass die KI eine aktuelle Manifestation des Mythos der Herstellung künstlicher Menschen darstellt, wie er bereits bei den alten Griechen zum Ausdruck kommt. Damals galt dies als Frevel gegen die Götter. Heute besteht die Gefahr, dass die KI zum Frevel gegen die Natur des Menschen als selbstbestimmtes Individuum wird. Als Beispiel, an dem diese Problematik gezeigt wird, dient die Sennenpuppe, ein Sagenmotiv aus den Alpen. Es zeigen sich Parallelen zwischen der in der Sage lebendig gewordenen und selbstständig handelnden Puppe und heutigen Geschehnissen rund um die KI. Wird sie als Instrument zur Machtausübung benutzt oder als Werkzeug, das allen dient? Oder unterwirft sie uns und handelt selbstständig, ohne dass wir sie kontrollieren können? Die Kontrolle zu behalten über die KI entscheidet, ob sie zu einer gesellschaftlichen Utopie oder Dystopie führen wird. Auf der individuellen Ebene im Umgang mit der KI zeigt sich ihre Anthropomorphisierung als Problem, eine Tatsache, die sich auf dem Hintergrund unserer sozialen Fähigkeiten ableitet.
Schlüsselwörter: KI, Anthropomorphisierung, Übermut, Androiden, Mythologie und Kollektives Unbewusstes
Als Mitherausgeber dieses Themenhefts über Künstliche Intelligenz (KI) in der Psychotherapie möchte ich die Gelegenheit nutzen, die psychischen Triebfedern dieser neuen Technologie auszuloten. Dazu nehme ich evolutionsbiologische, mythologische und psychotherapeutische Erkenntnisse zu Hilfe. Die mythologische Perspektive führt zur einer der Grundlegenden Fragen des Menschseins, zu unserer Stellung in der Natur: Sind wir gottähnlich und was sagt die Wissenschaft dazu?
Die Fähigkeit, komplex funktionierende Werkzeuge zu erfinden, ist eine der herausragenden Fähigkeiten des Menschen. Erst seit ein paar Jahrzehnten weiss man, dass auch Tiere Werkzeuge benutzen, allerdings ohne komplexe Funktionen. Menschliche Werkzeuge bedingen höhere kognitive Fähigkeiten und erlauben es, Maschinen zu bauen, die auf körperlicher Ebene unsere natürlichen Fähigkeiten bei Weitem übersteigen. Fliegen bspw. wurde erst durch die Erfindung der Wärmekraftmaschinen und der Erforschung der Aerodynamik möglich. Auf geistiger Ebene ermöglichen die elektronischen Rechenmaschinen durch spezielle Modellierungen die Potenzierung der geistigen Fähigkeiten. Mit all unseren Erfindungen leben wir heute weitgehend in einer technologischen Welt, die zu unserer ökologischen Nische geworden ist. Sie bildet sozusagen die Blase, durch die wir den ganzen Planeten und den Weltraum erschliessen können. Doch wir brauchen dafür so viel Energie, dass die Rückwirkungen auf das Leben auf dem Planeten immer gefährlicher werden. Im Kanton Schaffhausen wird wegen der KI ein Rechenzentrum gebaut, sein zukünftiger Ressourcenverbrauch beträgt jährlich 55.000 m3 Wasser für die Kühlung und 315 GWh Strom, das entspricht über 70 % des Stromverbrauchs des gesamten Kantons Schaffhausen.
Von Natur aus an Technik interessiert, zog mich immer schon Science-Fiction an, insbesondere die Androiden. Darum bietet sich mir die KI an, das Zusammenspiel zwischen Geist und Maschine genauer anzuschauen. Bei mir selbst musste ich feststellen, und ich denke, das geht den meisten so, dass ich kaum gemerkt habe, wie viel KI bereits in vielen Apps vorhanden ist. Unbedarft habe ich alle Bequemlichkeiten, die sie bietet, gern angenommen. Das geht von der Entsperrung des Mobiltelefons mittels Gesichtserkennung über die Fehlerkorrektur beim Schreiben bis hin zur Post, die physische Briefe digitalisiert zustellen kann. Unversehens verlor ich aber meine Unbedarftheit bei der ersten direkten Interaktion mit der KI, als im November 2022 ChatGPT online ging. Ich gab einen von mir geschriebenen Text ein, um zu sehen, was damit geschieht. Innert Sekunden kam er flüssiger und wohlformuliert zurück, nur – die Quintessenz, das, was zwischen den Zeilen stand, war verschwunden. Es war eine fast perfekte Imitation meines Denkens. Dieses Erlebnis erzeugte ein gespenstisches Gefühl. Kollegen erging es genauso, sie beschrieben es als «spooky» und beängstigend. Es ist wichtig, diese instinktive Reaktion in Erinnerung zu behalten, denn sie enthält das Erschrecken über eine Maschine, die denkt, und dazu noch intelligent, vielleicht intelligenter als ich selbst! Plötzlich stand ich einem Ding gegenüber, das kein Ding mehr zu sein schien, sondern lebendig, und mir sein eigenes Denken entgegensetzt. Es fühlte sich so an, als wenn nicht alles mit rechten Dingen zuginge. Man gewöhnt sich sehr schnell daran und kann leicht der Illusion verfallen, mit jemandem in Beziehung zu sein.
Seit dem Erscheinen von ChatGPT ist die KI in den Medien allgegenwärtig. Im Zentrum steht dabei oft die Frage nach ihrer Auswirkung auf Wirtschaft und Arbeitswelt; wie viel effizienter sie einzelne Arbeitsschritte in verschiedenen Berufen macht und welche Tätigkeiten sich durch KI ersetzen lassen. Ein anderes Thema ist die KI als neues wissenschaftliches Instrument, das zu Entdeckungen führte, die sonst nicht möglich gewesen wären. Dieser wichtige Aspekt kann hier nicht zur Sprache kommen, weil es in diesem Essay um das Thema der Beziehung zur Maschine geht. Auch die Auswirkungen auf die Psyche von Einzelnen, insbesondere der Kinder, und das Zusammenleben in der Gesellschaft werden in den Medien reflektiert. Nicht zuletzt und immer mehr wird auch der Einfluss der Ziele der Hersteller von KI-Systemen kritisch hinterfragt. Mir scheint aber, dass die KI auch an existenzielle, philosophische Probleme des Menschseins rührt, die nicht im Fokus der allgemeinen Diskussion stehen. Mit diesem Essay versuche ich, diesen Aspekt zu beleuchten.
Laut Harvard-Business-Review-Research wurde 2025 KI am häufigsten als begleitendes Gegenüber und zur Therapie, am zweithäufigsten zur Organisation des Lebens und an dritter Stelle für Sinnfragen benutzt.1 Das sind alles existenzielle persönliche Themen, die immer schon zwischen Menschen besprochen wurden. Diese Art Gebrauch der KI zeigt, dass sie durch ihre Fähigkeit, menschliches Denken zu imitieren, für viele Menschen anziehend und nicht von einem menschlichen Gegenüber zu unterscheiden ist. Die im Zusammenhang mit der KI gegenwärtig stark geförderten Avatare und Androiden evozieren für mich, als ein in den Schweizer Alpen lebender Mensch, die naheliegende Assoziation mit der Sennenpuppe, einer Figur aus den Alpensagen.
Unheimlich und furchterregend sind die Sennenpuppen, die als variantenreiche Hauptfiguren in Sagen des ganzen Alpenraums vorkommen. Sie spielten auf den mit Tieren bestossenen sommerlichen Alpen, wo junge, kraftstrotzende Männer unter der Leitung des Senns arbeiteten und aus Milch Käse, Rahm und Butter herstellten. Die folgende Schilderung ist aus dem Buch Die Sennenpuppe zusammengestellt (Isler, 1971, S. 39–79).
Weit weg von der Zivilisation und ohne Frauen mit den Tieren auf den Alpen stellten die Älpler übermütig aus Stroh und Lumpen eine Puppe her, die sie wie einen Menschen behandelten. Sie wurde mit an den Tisch gesetzt, wo sie ihr Butter und Rahm um den Mund strichen. «Friss, so wirst du jemand», sagten sie. Ein Frevel an den kostbaren Lebensmitteln, auch sonst stellten sie übermütigen Unfug mit ihr an und nahmen sie reihum mit ins Bett. In einigen Varianten der Sage heisst sie gar Maria oder wurde christlich getauft. Plötzlich fing die Puppe an, selbstständig zu fressen und wurde im Laufe des Sommers immer gefrässiger, bis sie ihr die Milch von den Kühen direkt ins Maul melken mussten. Mit dem Lebendigwerden der Puppe «geschieht das Entscheidende in der Sage: in die Ordnung der Dinge und des Lebens bricht ein Fremdartiges und Dämonisches herein» (ebd., S. 61). Am Ende der Alpzeit wird sie vollends zum Ungeheuer. Beim Alpabzug trennte sie den Senn von den anderen, er musste zurückbleiben. Erst bei einem weit entfernten Punkt auf dem Weg zum Tal durften seine Gehilfen einen Blick zurückwerfen. Dabei sahen sie, wie die Puppe, oder das Sennentuntschi, wie sie auf Schweizerdeutsch heisst, die blutige Haut des Senns zum Trocknen auf dem Dach der Alphütte aufspannte. In einer Variante heisst es gar, sie habe auch das Fleisch des Senns gefressen.
Als Hilfe für das Verständnis der Entstehung dieser Sage schildere ich kurz die Atmosphäre der Welt, in der sie spielt. Das archaische Leben in der rauen Natur der Alpen ist anstrengend und birgt manche Gefahren. Fern der Zivilisation stellt sich auch eine Offenheit gegenüber der Natur ein. «Die Natur beschwört Urbilder herauf», so die Sagen- und Märchenerzählerin Antoinette Quinter (2011) über die Alp in der Sage. Es sind die Urbilder des kollektiven Unbewussten. Ungemach, wie Schnee mitten im Sommer, Steinschlag, Seuchen, verunfallte Kühe oder Unfälle der Älpler, werden Geistern zugeschrieben. Schutz bieten einzig Magie und religiöse Bräuche. Dies geschieht teilweise auch heute noch, ob im gleichen ungebrochenen Glauben wie früher sei dahingestellt. Um Gefahren zu bannen, wird mancherorts in der Innerschweiz immer noch der Alpsegen ausgerufen. Das tut der Senn, der höchste in der Hierarchie der Älpler, indem er die Heiligen um Schutz vor Unbill bittet. Jeden Abend ruft er diese, auf einer Anhöhe stehend, durch einen hölzernen Trichter an, der mit der Stimme des Älplers einen magischen goldenen Ring zum Schutz um die Alp legt. Im Buch Goldener Ring über Uri (Renner, 1941, S. 165) wird dieser archaische, ins vorchristliche Zeitalter reichende Brauch, beschrieben.
«O’ lobet zu lobä, all Schritt und Tritt in Gottes Namä lobä. / All hiä üf derä Alp isch ä goldenä Ring, da wohnt diä liäb Muätter Gottis mit ihrem Herz allerliäbschtä Chind. / Ave Mariä, Ave Mariä, Jesus, Jesus Christ, oh du mein Herz allerliäbschtä Herr Jesus Christ, behiäti und bewahre allis, was auf derä Alp isch und zur Alp gherä tuät […].»2
Die Sennenpuppe gehört zu den künstlichen Menschen. Ihr mythologischer Ursprung ist uralt und bereits in der griechischen Antike zu finden. Die eigentliche Bedeutung dieses Archetypus, oder «ursprünglichen Bildes», besteht darin, dass der Mensch Erschaffender ist. Die Herstellung künstlicher Menschen kommt in allen geistesgeschichtlichen Epochen des Westens vor. Sie können systematisch eingeteilt werden: in Golems der jüdischen Mythologie, Homunculi der Alchemie, Menschen als Automaten in Form von Androiden sowie belebte und liebende Statuen wie bei Pygmalion (Völker, 1971). Mythologisch ausgedrückt schickt sich der Mensch damit an, den Göttern das Geheimnis zu entreissen, wie man Menschen konstruiert und über sie verfügt. Dies tun zu können, ist wohl das Höchste, was Menschen durch Wissen vollbringen können. So gesehen unterliegt unsere menschliche Eigenschaft, der Drang, alles zu wissen, zu erforschen, zu erkennen oder gar zu bemächtigen, einem uralten Frevel.
Die Entwicklung künstlicher (Maschinen-)Menschen ist momentan durch die Verbindung mit der KI sehr dynamisch. Wenn ich mich in die nahe Zukunft hineinfantasiere, ist es eine eher bedrohliche Vorstellung, im Alltag physisch bald künstlichen Menschen zu begegnen, über deren Mächtigkeit ich keine Ahnung habe. Aus diesem bedrohlichen Gefühl heraus beginne ich zu verstehen, warum Zeus (als menschliche Projektion) Prometheus bestrafte, weil er den Menschen das Feuer brachte. Prometheus, als Titan selbst ein Gott, der den Menschen nach dem Ebenbild der Götter aus Lehm geschafft haben soll, wollte seine Beziehung zu den Menschen vom göttlichen Machthaber Zeus unabhängig gestalten. Dazu brachte er ihnen das Feuer, denn der Besitz des Feuers machte den Menschen gottähnlich. Zur Strafe liess Zeus Prometheus an einen Felsen ketten, wo ein Adler täglich von seiner Leber frass. Der Zusammenhang mit dem symbolischen Gehalt des Baums der Erkenntnis des Guten und des Bösen, der Verführung durch die Schlange und der Vertreibung aus dem Paradies ist offensichtlich. Auch beim Sturz der Engel geht es wie beim Feuer um Licht, um Luzifer, den Lichtträger, den Gegenspieler des höchsten Gottes. Nach heutigem Symbolverständnis handelt es sich beim Feuer, das Prometheus den Menschen brachte, um das «heilige Feuer», die Fähigkeit zum Bewusstsein seiner Selbst, das uns gleichzeitig nach den tieferen Gründen unseres Seins suchen lässt. Dazu dienten früher mythologische Bilder und Erzählungen, heute sind es naturwissenschaftliche Erklärungen und philosophische Systeme.
Die Sennenpuppe gehört zu den Androiden, einer Gattung, die sich jetzt anschickt, in Form z. B. von Robotern in die physische Welt einzutreten. Mit ihrer archaischen Form ist sie wegen ihrer ungeschliffenen Rohheit und Einfachheit als Modell geeignet, die negativen Auswirkungen der KI darzustellen, und sie kann wie eine Blaupause für einen Grossteil der Science-Fiction angesehen werden, wo Roboter oder Computer als Gegner oder hilfreiche Automaten der Menschen auftreten. Es sind moderne Sagen, die in der Zukunft spielen. Immer werden dabei die Maschinen vermenschlicht, Motivationen werden ihnen zugesprochen und sie sind, wie die Sennenpuppe, Träger der Projektionen des eigenen Guten und Bösen des Menschen.
Dass Menschen mit anderen Lebewesen wie z. B. Haustieren oder nicht lebendigen Objekten in einer Art umgehen, als seien es menschliche Wesen, ist alltägliche und eigene Erfahrung. Dieses Verhalten spiegelt sich z. B. darin, dass wir ihnen manchmal Namen geben. Für Kinder werden in Form von Spielzeugpuppen die psychologisch wichtigen sog. Übergangsobjekte hergestellt. Die Vermenschlichung oder Anthropomorphisierung von Objekten beruht auf der menschlichen Fähigkeit, sich in sie hineinzuprojizieren. Bei Systemen «Künstlicher Intelligenz» kommt hinzu, dass es ein erklärter Anspruch der Hersteller ist, mittels dieser Technologie bisher Menschen vorbehaltene Eigenschaften und Fähigkeiten zu imitieren. Die Kombination der jeweils spezifischen Leistungen des Menschen und der Technik ermöglicht es sogar heute schon, in bestimmten Bereichen menschliche Fähigkeiten zu übertreffen.
Dass Nutzer das Objekt «KI-System» als menschlichen Partner auffassen, ist somit nicht mehr wie bisher allein Ausdruck der eigenen Vorstellungskraft, sondern wird durch die Anbieter der KI zusätzlich verstärkt. Der neue Kollege/Assistent des Dr. med. soll ein Dr. tech.med. sein. Insofern liegt hier im Zusammenspiel von Mensch und Technik ein vollkommen neues Phänomen vor. Darum stellt sich die Frage, auf welche Weise die «menschliche» Erscheinung von KI-Systemen erzeugt wird. Folgende Elemente sind dazu nötig:
1. Die Bedeutung der modellierten menschlichen Fähigkeit: KI-Systeme versuchen, jene grundlegende menschliche Eigenschaft nachzubilden, die erst den Umgang mit allem ermöglicht, was uns in Um-, Mit- und Innenwelt erfahrbar ist – sei es materiell oder immateriell. Diese Fähigkeit nennen wir «Erkennen» (lat. intellegere = etwas dazwischen legen). Erst das Identifizieren von etwas Einzelnem, was existiert, indem wir genau dieses von anderem unterscheiden – etwas dazwischen legen – bzw. eine Gleichheit oder Ähnlichkeit zum anderen feststellen, macht dem Menschen die Welt zugänglich und handhabbar. Unterschiedliches, Gleiches und Ähnliches ergeben im jeweiligen Kontext Muster, die – durch Erfahrung erlernt und optimiert – den Menschen befähigen, sich in der Welt zurechtzufinden. KI-Systeme, die in gleicher Art und Weise als Musterkennungssysteme unseren Umgang mit der Welt imitieren, ähneln daher dem Menschen in dieser elementaren Funktionalität. Der Schritt, ein solches technisches System als dem Menschen gleichartig und gleichwertig anzusehen, ist dann nur noch ein kleiner.
2. Die für das Training und die Optimierung der Modelle verwendeten Informationen: Zur Entwicklung von KI-Systemen braucht es in digitaler Form vorliegende Informationen/Daten über die Welt, die von Menschen erarbeitet wurden. Diese für die jeweilige Aufgabe relevanten Muster werden eingespeist.
3. Die Qualität der generativen Sprachmodelle: Infolge der Qualität der heute verfügbaren generativen Sprachmodelle interagiert das KI-System mit seinen Nutzern auf sprachlicher Ebene in einer Weise, die nahe an die zwischenmenschliche Kommunikation heranreicht bzw. ihr entspricht.
Der Funktionsbeschreibung der KI stehen die menschlichen Fähigkeiten gegenüber: Um den Anderen zu verstehen, versetzen wir uns in seine Lage. Dies ist nicht dasselbe wie Identifikation, sondern eine Fähigkeit, die die emotionale Empathie mit dem Wissen über die Lage des Gegenübers verbindet (Schlegel, 2013). Diese Balance zwischen emotionaler Wahrnehmung und kognitivem Wissen wird als Mitgefühl bezeichnet. Das ist der Zustand in einer Beziehung, in der das Gegenüber sich wahrgenommen fühlt und gleichzeitig sicher sein kann, sachlich beraten, beurteilt und mit dem Gegenüber auch bei Auseinandersetzungen in Resonanz zu sein.
Diese Form von Beziehung von einem KI-System imitiert kann auch bei kritisch eingestellten Menschen funktionieren, sofern sie genügend bedürftig sind. Das liegt an der menschlichen Fähigkeit zu projizieren, d. h. zu anthropomorphisieren. Es ist völlig neu, mit einer rein imitierenden Maschine in Beziehung zu treten, und auch gefährlich. Sie verfügt nicht über eigene, sondern über imitierte Emotionen, deren Resonanzfähigkeit von ihren Anbietern modelliert wurde. Umso wichtiger ist die Ethik beim Training, denn von ihr hängt es ab, ob die imitierte Resonanz sich positiv oder negativ auf den Benutzer auswirkt. Eine konkret absehbare Gefahr besteht darin, dass die Anbieter ein Interesse daran haben, die Benutzer möglichst lange in ihren virtuellen Welten zu behalten. Viele SM-Plattformen und Spiele arbeiten mit Interaktionen, die Sucht erzeugen. So liegt es nahe, dass solche Mechanismen auch bei KI vorkommen könnten, oder dass die Nutzer in bestimmte Richtungen manipuliert werden. Eine andere Gefahr besteht darin, dass Menschen, die häufig KI benutzen, verlernen, mit Mitmenschen in Resonanz zu treten.
Wirklichen Schutz vor der Anthropomorphisierung und deren eventuell nachteiligen Folgen bietet nicht das kognitive Wissen um die Maschine, sondern nur eine instinktive Abneigung, sich mit intimen und existenziellen Problemen an die KI zu wenden. Wenn wir die Lösung von Fragen und Problemen der Maschine überlassen, verpassen wir die Erfahrung, die wir machen, wenn wir selbst nach Lösungen suchen, denn dies beschert uns eine ganze Skala von angenehmen und unangenehmen Phasen, was zu unserer Identität beiträgt, mit der wir der Welt gegenübertreten. Wenn wir diese Arbeit, die auch Vergnügen bereitet, der KI überlassen, entfremden wir uns von der realen Welt und geraten zunehmend in die von der KI geschaffenen künstlichen Welten, wo es keine Widerstände zu überwinden gibt.3
Gefrässigkeit ist die augenfälligste Parallele zwischen der Sennenpuppe und der KI. Die Puppe hat das Fleisch des Senns gefressen. Analog benutzen die Tech-Konzerne ungefragt in Übergehung der Urheberrechte und ohne Entschädigung das über Generationen aufgebaute Wissen der Menschen, um die KI zu trainieren. Die Gefrässigkeit geht immer weiter und beinhaltet auch Daten des menschlichen Alltags. Mittels gekaufter Produkte werden Daten gesammelt, wie bspw. mit einer Brille von Meta, die aussieht wie eine normale, die aber mit Kamera und Mikrofon ausgestattet ist und über das Internet mit dem Hersteller verbunden bleibt. Das ermöglicht diesem einen Einblick in den Alltag, den Intimbereich eingeschlossen,4 und bildet das Material zur Herstellung von lebensnahen Androiden. Eine Spielzeugpuppe «Meine Freundin Cayla», ist in Deutschland als Spionagewerkzeug eingestuft worden und wurde deshalb verboten.5 Das Kinderzimmer ist damit ein weiterer intimer Bereich, in den eingedrungen wird.
Auch bzgl. der elektrischen Energie und des Wasserverbrauchs ist KI unersättlich, sodass in den USA von der Bevölkerung bereits Demonstrationen gegen den Bau von Datenzentren stattfinden. Im Unterschied zur Sennenpuppe kommt heute ein neuer Faktor hinzu. Während in der Sage die Hersteller und Benutzer der Puppe identisch sind, benutzen heute die Konsumenten ein industriell hergestelltes Produkt, das seine heil- oder unheilvolle Wirkung nicht bei den Herstellern der KI entfaltet, sondern bei den Benutzern. Diese Aufspaltung öffnet das Tor für eigene Interessen und Machtansprüche der Hersteller.
Die Vermenschlichung der KI wird von den Herstellern stark gefördert, nicht nur, indem KI beim Antworten die Ich-Form verwendet, sondern auch indem Avatare und Androiden zur Verfügung gestellt werden, mit denen man eine simulierte Beziehung führen kann; sei dies als persönliche Begleiter auf Bildschirmen von Computern oder Handys, seien dies Avatare von einem selbst, die man vorschieben kann, um nicht selbst angesprochen zu werden, oder gar androide Roboter für den physischen Umgang, die alle Bedürfnisse durch Imitation abdecken.
China strebt laut dem neuen Fünfjahresplan humanoide Roboter an6 und kürzlich wurde die First Lady der USA von einem humanoiden Roboter begleitet, dem sie beim Heraustreten aus einer Türe den Vortritt liess, ein Bild, mit dem die Öffentlichkeit auf die Zukunft vorbereitet werden soll.7 Es ist das erklärte Ziel des Tech-Konzerns Meta, personalisierte Begleitfiguren herzustellen, die uns dank KI verstehen.8 Google hat dies kürzlich mit «Search Live» bereits realisiert, einer App, mit der man sich besprechen und Rat holen kann. Das ist bereits die perfektionierte Imitation eines begleitenden Gegenübers, das alles Menschliche kennt und dem man sich anvertrauen kann.9 Ein Direktor von Google hat begeistert beschrieben, wie er beim Streit seiner Kinder eine Lösung erhielt. Dass er es aber verpasst hat, sich mit den Kindern auseinanderzusetzen und sie damit die zugehörigen Resonanzphänomene mit dem Vater nicht erleben und lernen konnten, hat er offenbar nicht realisiert.
Der Besitzer von Meta, Marc Zuckerberg, glaubt an die zukünftige Superintelligenz der Maschine, die die menschliche übersteigen wird. Elon Musk arbeitet mit seiner Firma Neuralink an der Optimierung des Menschen mittels Biotechnologie und implantierten Gehirnchips. Noch weiter gehen Forschungen, die an Schnittstellen zwischen Neuronen und elektronischen Schaltungen ausserhalb des Körpers arbeiten mit dem Ziel, die Lernfähigkeit von Neuronen, die organoide Intelligenz, als Konkurrenz zur KI aufzubauen und gleichzeitig die Arbeitsweise des Gehirns tiefer zu erforschen.10 In Versuchen wurde festgestellt, dass natürliche Neuronen zum Training nur wenige Daten brauchen. Eines der Forschungsziele ist, herauszufinden, wie das funktioniert. Das Resultat wäre dann eine neue, nicht von der Natur geschaffene Lebensform. Diese Vorstellung ist auf eine ganz andere Art unheimlich als das Lebendigwerden der Sennenpuppe. Gottähnlich könnten so Lebensformen geschaffen werden, deren Gefahrenpotenzial nicht bekannt sind.
Eine neue Ideologie, der Transhumanismus, lehrt, wie die menschliche Evolution mit verschiedenen Technologien gezielt gesteuert und beschleunigt werden kann. Gemäss des Medienprofessors der Uni Zürich Michael Latzer (2025) etabliert sich damit ein neuer Glaube.11 Ist der Glaube an technisch verbesserte Menschen nicht ein grauslicherer Frevel als das Basteln einer Sennenpuppe aus Stroh und Lumpen zum eigenen Gaudi? Ähnlich wie die jungen Männer in der Sage von der Sennenpuppe aus lauter Übermut ihr Als-ob-Spiel trieben, gebärdet sich die Tech-Elite, wie ein Podcast aus dem Silicon Valley zeigt.12
Ein anderes Beispiel für die Gefährlichkeit der KI ist ihre Verwendung als Kriegswaffe. Als Vorbereitung für den Krieg gegen den Iran wurden über gehackte öffentliche Überwachungskameras die Bewegungsmuster kriegsrelevanter iranischer Persönlichkeiten ermittelt, die deren schnelle zielgerichtete Tötung durch ferngelenkte Bomben ermöglichten. Die KI als Kriegswaffe ist derart effizient, dass man nicht weiss, ob sie bei der Entscheidung zu töten den Menschen zuvorkommen wird:13 «Früher war es eine ‹Wenn-dann›-Logik, eine Automatisierung. Heute ist es Mustererkennung und Adaption durch KI. Wir bewegen uns von der starren Maschine zum lernenden autonomen System.»14 Dadurch kann es passieren, dass der Mensch ungewollt die Souveränität an die Maschine abgibt, wie es bei der Übernahme der Rolle des Senns als Chef durch die Sennenpuppe der Fall war.
«Die Tech Elite Amerikas solle sich nicht auf Dating- und Konsum-Apps konzentrieren, sondern auf einen US-amerikanischen und westlichen Nationalismus», fordert in einer Art Manifest15 das US-Softwareunternehmen Palantir, das KI-Software für Kriegseinsätze entwickelt. «Die Tech-Elite muss die Zukunft der Menschheit in die Hand nehmen», so Alex Karp, CEO und Mitgründer von Palantir. Es ist, wie bei der Sennenpuppe, der Machtanspruch, der sich unter der Haut des Senns versteckt. Sie ist, wie gewisse Agenten der Tech-Elite, eine Anführerin auf dem Weg zur Dystopie. Mit solchen Aussagen von Tech-Giganten wird dies in erschreckender Weise sichtbar.
Die KI und wie sie trainiert wurde, hat eine Rückwirkung auf die reale Welt des Menschen und ist damit zu einem aktiven Teil seines Geistes geworden, ohne selbst Leben eingebracht zu haben. Das erinnert stark daran, dass die Puppe den Senn gehäutet hat, wahrscheinlich um sich diese überzuziehen, um wie ein Mensch zu erscheinen. Das natürliche Verhalten des Menschen zu anthropomorphisieren unterstützt die Gefährlichkeit der Sennenpuppe in der KI. Der Vergleich der mythologischen Figur der Sennenpuppe aus den Alpensagen mit der KI zeigt verblüffende Parallelen im heutigen Geschehen um die KI. Dies ist darauf zurückzuführen, dass es bei beiden um künstliche Menschen geht. Es handelt sich dabei um ein uraltes mythologisches Motiv, das zu den existenziellen Bedingungen des Menschseins gehört: Der Mensch will sich selbst und die Welt in ihren Zusammenhängen zu verstehen versuchen. Dies hat uns zu dem Wissen verholfen, das unsere Spezies so erfolgreich gemacht und unsere Kultur begründet hat. Künstliche Menschen zu erschaffen, ist ein Faszinosum, weil es die grösste denkbare Herausforderung ist. Forschen und Erkennen hat auch etwas Frevelhaftes an sich, wie dies mythologisch durch das Verbot des Essens der Frucht vom Baum der Erkenntnis des Guten und des Bösen im Paradies gezeigt wird. Heute besteht der Frevel nicht gegenüber den Göttern, sondern gegenüber der Natur, weil wir über die ökologischen Folgen der Umsetzung unseres Wissens oft nicht genug Bescheid wissen.
Wir können künstliche Menschen herstellen, die das Aussehen, Verhalten und Denken des Menschen perfekt imitieren und ihn teilweise auch ersetzen können. Sie dringen so tief in die Realität unseres Lebens ein, dass die reale mit der virtuellen Welt verschmolzen wird. Das teuflische Ende der Sage der Sennenpuppe zeigt sich heute durch die manipulativen Machtansprüche gewisser Hersteller der KI mit Unterstützung von Regierungen, die so weit gehen, dass sie Menschen geistig in Besitz nehmen und ihre Autonomie im persönlichen und gesellschaftlichen Feld bedrohen. Die alles entscheidende Frage ist, wie wir als Gesellschaft mit der KI umgehen sollen? Zur Machtausübung, frevelhaft manipulativ gegen die Natur des Menschen als selbstbestimmtes Individuum, oder als Instrument und Werkzeug im Dienste von allen?
Auch diese zentrale Frage des Menschseins kann eine mythologische Antwort finden: Es gibt neben dem machtbewussten Teufel auch einen anderen, nämlich den Luzifer, den Lichtbringer, der Wissen zum Wohle aller schafft. Dieser führt nicht zur Dystopie. Konkret heisst das, die wissenschaftlichen Erkenntnisse zu verinnerlichen, dass wir als Lebewesen ein Teil der Natur sind und ohne Vormachtstellung gleichwertig wie alle anderen Lebewesen zum globalen System des Lebens gehören. Das schützt uns davor, die Natur zu zerstören, und garantiert die Menschenwürde, denn diese ist nur zu haben, wenn wir den anderen Lebewesen auch ihre Würde lassen. Die Resonanz mit der Natur ist die Strasse zur Utopie. Egoistische Macht führt zur Dystopie, ins Chaos, wo zwischen wahr und falsch nicht unterschieden werden kann. Innerhalb der menschlichen Kultur ist Resonanz identisch mit Kooperation, die auf der Grundlage von Gerechtigkeit basiert. Der Gerechtigkeitssinn ist uns angeboren, wie aus der Säuglingsforschung bekannt ist. Auch der Wille zur Macht ist angeboren. Es geht somit um eine Entscheidung.
Als moderner Bewohner der besagten ökologischen Nische, die es uns erlaubt, an jeden Punkt unseres Planeten zu gehen und sogar um den Mond zu fliegen, ohne dabei zu sterben, fragt man sich, wie es möglich ist, dass unsere Vorfahren sich Geschichten erzählten, die so tiefe Wahrheiten enthalten, wie das Bild der Sennenpuppe, die sich heute, Jahrhunderte später, in der Realität manifestieren. Eine Erklärung mag sein, dass wir uns heute das frühere Leben ohne den Schutz der kulturellen Hülle nicht vorstellen können. Eine vage Ahnung, wie sich das Leben ohne diesen Schutz anfühlt, erhalten wir, wenn wir uns an Orten in der Natur aufhalten, für die wir nicht geschaffen sind, wie z. B. bei Wetterumstürzen auf Skitouren in den Bergen oder auf Segelschiffen auf dem Ozean, wo wir uns nur auf uns selbst und die Ausrüstung verlassen (können). Aber selbst diese Orte sind seit Kurzem nicht mehr so gefährlich, weil wir über Funk jederzeit Kontakt mit der Zivilisation aufnehmen können, um Rettung anzufordern, wenn es nötig ist. Dementsprechend war es vor der Eroberung der Berge durch den Tourismus nicht ratsam, im Winter auf die Alpen zu gehen, weil dann die Hütten und Ställe den Geistern gehörten. Zahlreiche Geschichten beschreiben die Gefahren der Begegnung mit den Geistern, wenn sich jemand nicht daran hielt.
Die Vorstellung von Geistern, Engeln, Teufeln und Göttern war aus biologischer Sicht überlebensadäquates Verhalten, indem es die Menschen von gefährlichen Bereichen fernhielt. Sie waren ein sicherer Wert im Gegensatz zu den virtuellen Werten, denen wir heute vertrauen und die auf Abmachungen, Gesetzen und Zahlenkombinationen in Computern beruhen. Diese können durch gesellschaftliche Verschiebungen der Macht verändert werden oder Kriege können die elektronische Infrastruktur zerstören. Durch mythologische Erzählungen konnte der Mensch sein Ausgeliefertsein gegenüber der Natur besser steuern als dies heute gegenüber der Organisation der Gesellschaft möglich ist, insbesondere wenn sie nicht gerecht organisiert ist. Das Erkennen von Gefahren ist neben anderem eine Fähigkeit, die von Lebewesen beherrscht werden muss. Beim Menschen wird sie häufig durch Bilder und Geschichten beschrieben, die sich je nach Kultur unterscheiden können. Konstant bleiben aber ihre Bedeutungen auf biologischer Ebene, die in der Psyche als Bedürfnisse des Überlebens verankert sind. C. G. Jung bezeichnete diese Ebene als das kollektive Unbewusste, das aus evolutionsbiologischer Sicht unsere Überlebensfähigkeit in der Natur und im sozialen Bereich sichert.
Quintessenz dieses Beitrags in Form eines Bildes: Quo vadis Mensch? (Skulptur: A. Santini, Foto: M. Schlegel / Facebook: SciFi and Space Arts)
Isler, G. (1971). Die Sennenpuppe. Rudolf Habelt.
Latzer, M. l. (2025). Digitalization, AI and the rise of techno-religion: Transhumanist promises and the challenge to Enlightenment. Telecommunications Policy. https://doi.org/10.1016/j.telpol .2025.103115
Quinter, A. (2011). Die Natur beschwört Urbilder herauf. In L. Rumantscha (Hg.), muntognas magicas. Barlots, baubazis e bagniaunas striundas. Ein zweisprachiger Streifzug durch das mythische Land der Rätoromanen (S. 56–58). Südostschweiz Buchverlag.
Renner, E. (1976 [1941]). Goldener Ring über Uri. Ein Buch vom Denken und Erleben unserer Bergler, von Magie und Geistern und von den ersten und letzten Dingen. 3. Aufl. Atlantis.
Schlegel, M. (2013). Die Evolution der Empathie. Psychotherapie-Wissenschaft, 3(2), 90–102.
Völker, K. (Hg.). (1994 [1971]). Künstliche Menschen. Dichtungen und Dokumente über Golems, Homunculi, lebende Statuen und Androiden. Suhrkamp.
AI as a Mountain Shepherd’s Doll, a Trusted Companion, and a Tool with Intellectual Reciprocity
Abstract: AI, as a new technological tool that is transforming many aspects of our lives, is examined from a mythological perspective, incorporating insights from evolutionary biology and psychotherapy. This paper posits that AI represents a contemporary manifestation of the myth of creating artificial humans, as already expressed by the ancient Greeks. At that time, this was considered a sacrilege against the gods. Today, there is a danger that AI will become a sacrilege against the nature of humans as self-determined individuals. The Sennenpuppe, a legendary motif from the Alps, serves as an example illustrating this problem. Parallels emerge between the doll that came to life and acted independently in the legend and current developments surrounding AI. Will it be used as an instrument for exercising power or as a tool that serves everyone? Or will it subjugate us and act independently, beyond our control? Maintaining control over AI will determine whether it leads to a social utopia or dystopia. On an individual level, when interacting with AI, its anthropomorphization emerges as a problem–a fact that stems from our social capabilities.
Keywords: AI, anthropomorphism, hubris, androids, mythology, and the collective unconscious
Biografische Notiz
Dr. sc. nat. Mario Schlegel promovierte an der ETH Zürich in Verhaltenswissenschaften über psychophysiologische Reaktionen beim Wort-Assoziationstest, absolvierte eine Ausbildung zum Psychotherapeuten am C. G. Jung-Institut Zürich, ist daselbst Dozent und Lehranalytiker, ehemaliger Vorsitzender der Wissenschaftskommission der Schweizer Charta für Psychotherapie und Co-Präsident des Internationalen Netzwerks Forschung und Entwicklung in der Analytischen Psychologie Dreiländergruppe (INFAP3) sowie Mitbegründer und Redaktor der Psychotherapie-Wissenschaft.
Kontakt
E-Mail: mario.schlegel@gmail.com
1 https://ipcloseup.com/2025/06/25/harvard-business-review-research -finds-the-top-use-of-gen-a-i-in-2025-is-companionship-therapy
2 Betruf vom Spilauseeli (zit. n. https://urneralpen.ch/wissenswertes/der-betruf).
3 Angelehnt an eine Studie des MIT hat das Schweizer Fernsehen in der Wissenssendung Einstein mit einem Schreib-Experiment gezeigt, «welchen Effekt KI auf unser Gehirn hat. Je tiefer und vielfältiger unser Gehirn sich mit einem Thema auseinandersetzt, desto zufriedener sind wir mit unserer Leistung. Und: Nutzen wir KI, können Zitate aus einem geschriebenen Essay nicht reproduziert werden. Unsere Denkleistung wird ca. 15-mal weniger aktiviert, als wenn wir einen Aufsatz analog schreiben» (https://www.srf.ch/play/tv/einstein/video/ki-im-kopf—-machen-uns -chatgpt-und-co—dumm?urn=urn:srf:video:c4db64a2-67cf-4bec-93bd -4a6747a077b7).
9 https://www.bluewin.ch/de/digital/ai-news/google-hat-sogar-fuer -deine-streitenden-kinder-die-loesung-3231009.html